BEWERTEN
 

Bob Mould

»District Line«

[Beggars Banquet / Indigo / VÖ: 22.02.2008 ]

Text: Martin Büsser

Mit \"District Line\" kehrt Bob Mould äußerst gefestigt zurück. Plötzlich scheint es, als seien all die Jahre nach Hüsker Dü nichts als eine lange Suche gewesen. Mit dem Ergebnis, dass sich der Kreis endlich schließt.



Zugegeben, wir Kritiker haben eigentlich alle Post-Hüsker-Alben von Bob Mould wohlwollend besprochen. Man konnte und wollte dem Mann einfach nichts krummnehmen. Wahrscheinlich war auch etwas Mitleid mit im Spiel: Das Auseinanderfallen von Hüsker Dü und die Trennung vom kongenialen Ko-Songwriter Grant Hart hatten Bob Mould sehr mitgenommen, da verzeiht man schon mal ein paar eher mittelmäßige Platten. Sein offizielles Coming-out hatte Mould erst vor wenigen Jahren, zu der Zeit war aber eigentlich schon allen klar, dass Bob und Grant mehr als nur Bandkollegen gewesen waren. Mould wurde immer wieder gefragt, warum er so lange über seine Homosexualität geschwiegen habe. Unter anderem, weil die texanischen Radiostationen ihn dann nicht mehr gespielt hätten. Komische Antwort. Sind die texanischen Radiostationen für die Verbreitung seiner Musik so wichtig gewesen? Hätte die wichtigste Hardcore- und Post-Punk-Band der Achtziger nicht vielmehr eine Riesenchance wahrnehmen und die homophob durchsetzte Szene mal so richtig aufmischen können? Schnee von gestern? Na ja.

Hört man sich \"District Line\" an, fällt auf, dass diese Musik tatsächlich Chancen hat, im texanischen Radio gespielt zu werden. Es ist das erste Mould-Album, das voll und ganz an die späten Hüsker Dü anknüpft. Energetisch, melodisch, treibend. Obwohl Hüsker Dü zu den ersten Bands aus dem SST-Kosmos zählten, die zu einem Major wechselten, galt ihre Musik damals noch als Underground, war nicht mehrheitsfähig. Das hat sich nach Grunge und der Erfindung von \"Alternative\" gehörig geändert. Für heutige Ohren ist \"District Line\" eine Mainstream-Rock-Platte ... im durchaus positiven Sinne. Und sie macht retrospektiv deutlich, welchen enormen Einfluss das Duo Mould/Hart auf die kommende Musikgeschichte hatte, auf die Pixies, Nirvana, Pearl Jam und den ganzen Rest. Heute klingt Bob Mould nur deshalb wie viele andere \"Alternative\"-Rocker, weil all die anderen über all die Jahre hinweg versucht haben, wie er zu klingen.

Den deutlich hörbaren Energieschub haben wir auch Bobs Umzug nach Washington D.C. zu verdanken. \"Die Stadt hat eine extrem aktive Szene\", erzählt er. \"Dischord ist noch immer aktiv, die Club Culture floriert, und die Situation für Livekonzerte ist in den letzten Jahren sehr viel besser geworden.\" Am Schlagzeug ist Brendan Canty von Fugazi zu hören. Alte Netzwerke und alter Wein aus neuen Schläuchen. Aber manche Jahrgänge werden durchs lange Lagern bekanntlich nur besser.




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