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Frank Spilker Gruppe

»Mit all den Leuten«

[Staatsakt / Indigo / VÖ: 21.03.2008 ]

Text: Linus Volkmann, Martina Hergenröther
[3 Kommentare]

Frank Spilker, die treue Seele, die die Hörer seit Dekaden nicht nur mit Agit-Pop, sondern immer auch mit Verständnis versorgt, hat seine Band zurückgelassen. Zumindest im Jetzt und Hier. Erlösung, Aufbruch, Verrat? Wer Die Sterne immer bloß für die Backing-Band von Frank Spilker hielt, sieht sich gerade eines Besseren belehrt. Denn immerhin empfand es jener als nötig, Solostücke allein (bzw. mit einer Begleitband um Max Knoth und Tex Strzoda) umzusetzen.


\"In der öffentlichen Wahrnehmung geht es ja immer sehr um meine Texte, daher wissen die wenigsten, dass Die Sterne eine durch und durch demokratische Band sind. Das Konzept Demokratie hat dabei so seine Vor- und Nachteile. Wenn man sich gegenseitig ernst nimmt, als ins Werkgeschehen eingebundene Personen, heißt das, sich über ein Konzept einig werden zu müssen. Denn wenn man jemanden benutzt wie einen Handwerker oder ein Werkzeug, ist das nicht mehr wirklich eine Bandkomposition. Die Frank Spilker Gruppe-Songs sind dagegen alle auf meinem Reißbrett entstanden, durchaus schon mal mit Schlagzeug und Bass und einem Arrangement. Es ist nicht nötig, bestimmte Rollen und Aufgaben einzuhalten, dadurch ergibt sich ein größerer Spielraum\", erzählt Frank.

So sieht's aus. Und wie klingt's? Man kann's nicht anders sagen: Klasse! Denn neben all der Diplomatie hört man auch raus, dass Frank zuletzt nicht befreit raushauen konnte aus seinem so überwucherten Hauptwohnsitz. Und genau das holt er jetzt nach. Wo von Lowtzow den aristokratisch-utopischen Romantiker in sich entdeckte, wo Distelmeyer der post-politische Natur-Romantiker wurde, blieb im bis heute noch amtierenden 90er-Hamburg-Triumvirat Spilker immer der Realist. Mit allen Konsequenzen. Er verlegte die Gefechte mit dem Alltag nie ins Fiktionale, er blieb immer (beinah erschreckend) basisnah. Danke dafür.

Und Danke für die neuen Songs. Die klingen - und das ist nicht nur Einbildung - einfach freier, lockerer, geiler als alles, was zuletzt war. Schon das erste Stück 'Hinter der Bar' beweist, wie einzigartig Frank texten kann, kneipig dahingeworfen und doch so viel stärker als alle coole Erbauungsliteratur, die es ohnehin gar nicht gibt. 'Es sieht gut aus', auch ein Stück Prekariats-Dandytum, das dabei aber nie den Stachel einbüßt, sondern noch Oscar-Wilde-Assoziationen weiterdenken lässt. Das Nicht-Öffnen von Post vom Amt, das besungen wird, erinnert an den Dorian-Gray-Claim \"Ich habe ihren Brief nicht gelesen - ich hatte Angst, er könne etwas enthalten, das mir nicht gefiele.\" Eskapismus als Weg - rührend, hoffnungslos. Spilker hat dafür Verständnis, muss man eben auch was draus machen. Ist ja nichts anderes da. Aber was er daraus macht, ist, wie gesagt, ein echter Meilenstein seiner Karriere.
Linus Volkmann

Das ist nur die halbe Wahrheit. Martina Hergenröther hat sich 'Mit all den Leuten' auch angehört und kommt zu einem anderem Urteil.


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  • User: SecondHandKid
  • SecondHandKid 25.03.2008 | 03:05:31

    Bei den Zitronen hieß es neulich erst „Lutsch meinen Schwanz!“ Tocotronic forderten gar: „Fuck it all“. Und nun singt Frank Spilker „Leck mich am Arsch“. Wo führt das alles hin? Sprachliche Verrohung statt befindlichkeitsfixierter Gegenwartslyrik? Hamburger Schule goes Pornorap, oder was?
    Aber jetzt mal Spaß bei Seite. Warum eigentlich dies Platte? Warum singt Frank bei zwei Songs (Ex-lover`s paintings, Me only) plötzlich schlecht englisch? Und warum sind viele der neuen Texte so furchtbar banal, wo der Mann doch wirklich mehr als einmal gezeigt hat, dass er es viel besser kann? Man nehme nur die Anfangszeilen aus „Das war ihr Leben“: „Das lief alles nicht so toll in der Familie/ Und auch nicht im Beruf/ Ihr Liebesleben war eine Katastrophe/ - Doof“
    Oder bei „Ein einsamer Mann“, wo Frank seine Mutter mit dämlichen Fragen bombardiert: „Warum tut das weh, wenn man nicht kriegen kann, was man haben will, Mama? (…) Ja, was macht man da, Mama?“ Ja und Frau Spilker, wenn wir schon dabei sind: Wie entsteht eigentlich ein Regenbogen? Und könnten sie vielleicht mal auf mein Aua blasen, das tut nämlich auch ganz viel weh?
    Freuen kann man sich aber trotzdem. Zumindest ein bisschen: Mit „Ich weiß genau, was du denkst ist nicht richtig“ und dem neunminütigen Titeltrack (Bestes Lied der CD) gibt’s zwei schöne Schrammel-Rock-Experimente, und bei „Ich geh gebückt“ und dem (anfangs etwas an die White Stripes erinnernden) „Antipopkurs“ knüpft der gute Frank auch textlich wieder an alte Glanztaten an. Vier richtig gute Songs also. Aber reicht das, um dieses Soloalbum zu rechtfertigen?
    Zugegeben, ich war nie ein riesen Sterne-Fan, fand ihre Musik immer ganz nett, aber eben nie bzw. selten wirklich zwingend - Aber diese Platte hätte man sich, bis auf oben genannte Stücke, wirklich sparen können. Beim nächsten Mal bitte besser machen. Und zwar ohne all die Leute, ohne die ominöse Gruppe hinter dem Punkt und auch bitte ohne die Mama. Geht das?

  • User: Legalman
  • Legalman 06.04.2008 | 09:18:56
    Rotweintrinker
    Ach ja, eine Handvoll schöner Songs (Kommt alle her, Ein einsamer Mann, Ich geh gebückt) sind doch drauf. Als Ganzes haut es mich aber nicht vom Hocker

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