Tacks, The Boy Disaster
»Oh, Beatrice«
[Ark Recordings / Rough Trade / VÖ: 22.01.2008 ]
Text:
Martin Büsser
Rezensenten im World Wide Web überschlagen sich bereits vor Begeisterung. \"Austin ist das neue Kanada!\", schreibt einer angesichts dieser texanischen Band rund um Evan Jacobs, der unter anderem bereits bei Polyphonic Spree und Midlake spielte.
Die texanische Hauptstadt gleich mit einem der größten Länder der Erde zu vergleichen, ist so großmäulig unhaltbar wie der ganze vermeintlich jenseits aller kommerziellen Interessen und Seilschaften verlaufende Internet-Hype, den in den letzten Jahren zielsicher stets nur die mittelmäßigsten Indie-Bands erfahren haben, nämlich jene, die immer schon auf Konsens abonniert waren.
Auch Tacks, The Boy Disaster müssen erst mal auf ein \"Ganz gut\" runter geköchelt werden, um überhaupt eine vernünftige Kritikbasis zu finden. Der leicht wehmütige Gesang wie auch die Klavier- und Bläserbegleitung zu an sich konventionellem Indie-Rock sind stilsicher, aber eben auch kein bisschen mehr. Alles plätschert selbstmitleidig dahin, ohne Dringlichkeit erkennen zu lassen.
Wenn der Existenzgrund einer Band nicht sofort vernehmbar wird, wenn also die Erträglichkeit einer Musik das Einzige ist, was sich attestieren lässt, muss eine Band sich die Kritik gefallen lassen, noch nicht reif für ein Album zu sein. Und wenn Rezensenten im Netz Songzeilen wie \"Forget me not, forget me not my love\" als großartigen Kampf gegen das Vergessen anpreisen, fragt man sich, was beknackter ist: Dieser lyrische Standard-Sülz oder die Bereitschaft, ihm etwas Besonderes abgewinnen zu wollen. Diese Band schadet so wenig wie man sie braucht.
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