Justus Köhncke
»Safe And Sound«
[Kompakt / VÖ: 18.01.2008 ]
Text:
Roland Wilhelm
Für Justus Köhnckes letztes Album, \"Doppelleben\", musste aufgrund seines hohen Textanteils eigens ein neues Genre namens \"Schlagertechno\" erfunden werden. Dem Nachfolger \"Safe and Sound\" dagegen kann man gut und gerne den \"For club use\"-Stempel verpassen.
Nachdem er den Job des Disco-Troubadours an sein Alias namens Kinky Justice abgegeben hat, präsentiert Justus Köhncke auf seinem neuen Album unter eigenem Namen eine facettenreiche Ansammlung meist instrumentaler Tracks für die Tanzfläche. Als programmatisch für dieses 62-minütige Song-Paket könnte man den Titel des dritten Stücks, \"Love and Dancing\", sehen, benannten so doch seinerzeit The Human League ihr Instrumental-Album. Und wo wir schon beim Thema Vergangenheits-Bezüge angelangt sind: Natürlich bleibt der Kölner Produzent und DJ auf \"Safe and Sound\" seinem stark referentiellen und zitatreichen Ansatz treu. So erfahren nicht nur Grace Jones (bzw. ihr Produzent Trevor Horn) mit dem Titel \"Yacht\" eine grandiose technoide Huldigung, auch dem in letzter Zeit wieder stark ins Clubber-Bewusstsein gerückten Krautrock setzt er mit dem Cover von Michael Rothers \"Feuerland\" ein (weiteres) zeitgemäßes Denkmal.
Genau wie auf der \"Feuerland\"-12-inch dominieren auf dem Album die stilistischen Kontraste: Es bedarf schon der Unerschrockenheit eines Justus Köhncke, den \"Rock-Impressionismus\" von \"Feuerland\" auf den eingängigen und hitverdächtigen Funky-Sample-House von \"Parage\" prallen zu lassen oder dem entspannten \"(It's gonna be) Alright\" den düster-enigmatischen Detroit-Kracher von \"$26\" gegenüberzustellen. Sein typischer Sound erfährt also eine willkommene Erweiterung, die weniger irritierend wirkt als einst der eingangs erwähnte Schlager-Touch. Dass wir es bei alledem immer noch mit einem sehr nach Kompakt klingenden Album zu tun haben, ist nicht zuletzt den drei ruhigeren, teilweise ganz vom Beatkorsett befreiten Stücken (man könnte sie \"Pop-Ambient\" nennen) zu verdanken. Einzig einen Über-Hit wie \"Timecode\" bleibt uns der bärtige Discoteer diesmal schuldig. Trotzdem: Justus Köhncke ist immer noch der vielseitigste und schillerndste Pop-Recycler dieses Disco-Universums - und bleibt es hoffentlich auch in Zukunft.
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