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Delbo

»Grande Finesse«

[Loob Musik / Universal / VÖ: 18.01.2008 ]

Text: Christian Wessels

\"Grande Finesse\" ist die vierte Parallelwelt des Trios: Flüssig, glasklar, zwischendurch verstörend, am Ende trotzdem versöhnt. Zu den bekannten Referenzen von frühen Blumfeld bis Karate gesellen sich nun auch die Beach Boys. Moment, die Beach Boys? Was verbindet die herzlichst verkopften Indierocker aus Berlin mit den kalifornischen Surfpoppern?


Gar nichts, möchte man meinen... Aber: \"'Pet Sounds' war damals eine große Weiterentwicklung der Beach Boys\", erklärt Gitarrist und Produzent Tobias Siebert. \"Sie arbeiteten mit Sounds von Coladosen, Fahrradklingeln, Kirchenorgeln und so Sachen. Ich empfinde unsere Offenheit zu zusätzlichen Instrumenten als ähnliche Entwicklung.\" Die Ergänzungen der mäandernden Gitarrenwelten sind bei Delbo etwas konventioneller gewählt, trotzdem sehr effektvoll: Streicher und Bläser setzen auf \"Grande Finesse\" angenehm farbige Akzente. Ohne die luftigen Kompositionen zu verkleistern, ohne sich mit Pauken und Trompeten als Neuerfindung feiern zu müssen.

Trotzdem, dieses Album ist ein gefühlt großer Schritt für Band und Hörer. Nach den ergebnisoffenen Anfängen am äußersten Ende des ausklingenden Jahrtausends, nach dem ambitionierten \"Innen/Außen\" (2003), den verdichteten \"Havarien\" (2006) schmeichelt sich \"Grande Finesse\" langsam ein, rammt lächelnd einen Fuß in die Tür und möchte über Nacht bleiben. Eine Momentaufnahme: \"Das Album ist für unsere Ohren viel luftiger und auf leichteren Füßen unterwegs, offener und mehr aus dem Bauch heraus\", sagt Sänger und Bassist Daniel Spindler. \"Das ist aber auch ein Gefühl, das sich durch die ganze Entstehungszeit zieht. Es ging dieses Mal viel einfacher von der Hand.\"

Die Texte bleiben gewohnt gehaltvoll, aufgeladen von der ersten bis zur letzten Zeile: \"Du verirrst dich nach wie vor Innen wie Außen. Wie in der Zeichnung, die sich Jahr um Jahr erschließt. Darin die Sehnsucht nach den Punkten und den Orten. Und die Angst, sie eines Tages zu verlieren\", heißt es in \"Belvedere\", ein Stück, das die Buellebruecker Studiowelt vielleicht am meisten dehnt. Das sei \"einfach nicht mehr zu bremsen gewesen\". Delbo haben offensichtlich profitiert von der Vernetzung des \"Berliner Undergrounds\", von der Beteiligung an anderen Projekten, vom Austausch mit befreundeten Bands, von Tobias Sieberts Produzentenarbeit für Indiedeutschland. Da müsste doch jetzt richtig was gehen, oder? \"Ach, man kann niemand zu seinem Glück zwingen\", sagt die Band.



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