The Wombats
»Proudly Present ... A Guide To Love, Loss And Desperation«
[14th Floor / Rough Trade / VÖ: 26.11.2007 ]
Text:
linus volkmann
Eigentlich muss man das doch gar nicht. Immer wen in den Dreck stoßen, um jemanden anderen zu erhöhen. Ist schlechter Stil. Und hier kommt er trotzdem: Alle neuen britischen Bands langweilen plötzlich, wenn man The Wombats gehört hat. Dramatisch, aber wahr. Tja, warum nicht mal bisschen hysterisch werden, wenn es eine Band aus dem Projekt \\"Brit-Hype\\" tatsächlich mal wieder geschafft hat, dass man Bock auf sie hat. Also so richtig. Nicht so \\"Bockfenster auf Kipp\\". Natürlich frage ich mich, was machen diese Liverpooler Heinis eigentlich genau anders als der mediokre Frisuren-Pöbel? Klar sind das vielleicht nur Nuancen, und die Gitarren haben hier auch nicht mehr Akkorde. Bringen es aber einfach mehr. Bloß, was hilft der gefühlige Abfeierjargon? Nix, es heißt jetzt doch mal, konkreter zu werden.
Also, die Platte besitzt auf jeden Fall einen augenfälligen Variantenreichtum. Das Songwriting ist durchgehend so beseelt, dass jedes neue Stück wirklich ein neues ist und nicht nur eine Version des vorigen. Allein das Intro \\"Tales Of Girls, Boys And Marsupials\\" - mitreißend, dreist. Wer traut sich denn schon, mit einem fast A-cappella-Handclap-Sloganizer zu eröffnen? Nicht nur wegen der Titelphrase erinnert der übrigens an Blur zu \\"Parklife\\"-Zeiten.
Eins der größten Highlights ist dann sicher auch \\"Let's Dance To Joy Division\\". Ein weiterer absoluter Party-Smasher mit dem cleveren Text, der erzählt, wie man traurige Musik im Endeffekt gar nicht als solche rezipiert, sondern zu \\"Love Will Tear Us Apart\\" die Nacht durchtanzt und -trinkt. \\"Let's dance to Joy Division / Celebrate the irony / Everything is going wrong.\\" Damit machen die Wombats niemandem einen Vorwurf, blicken bloß aufgeregt hinter die Kulissen des kontemporären Coming-of-Age-Lifestyles. Dem sie ja selbst verfallen sind, und in dessen hedonistischen Kanon sie selbst nun Song um Song einweben. Seit den Debütplatten von Franz Ferdinand und Art Brut sprudelte kaum ein Erstling derart über vor tierischem Style, guten Songs und Substanz.
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