Jolly Goods
»her.barium«
[Louisville / Universal / VÖ: 23.11.2007 ]
Text:
Benjamin Walter
Gerne kokettieren die Musiker von heute mit ihrer dörflichen Herkunft. Wie öde das doch war, und keiner wollte einen verstehen. Da blieb nur die Musik als Flucht in ein besseres Leben. Schon hundert Mal gelesen, wissen wir nun, und wem ging es denn bitte besser? Die beiden jugendlichen Radauschwestern Jolly Goods aus Rimbach im Odenwald wollen von einem derart selbstmitleidigen Gründungsmythos auch nicht so recht was wissen. In einem ergoogelten Interview wird behauptet, sie wären auch an jedem anderen Ort der Welt mies drauf gewesen und hätten wütende Musik gemacht.
Und hier beginnt die Sache interessanter als gedacht zu werden. Sperrig, aufgewühlt und mit all den Limitierungen, denen ein Duo mit Schlagzeug und Gitarre eben unterworfen ist, prügelt sich die Band durch die 32 Minuten ihres Albums, dabei nur im ersten Zugriff trashig, in Wahrheit clever, intensiv und manchmal ganz kurz wahnsinnig schön und erhaben. Quasi wie Surrogat in geil. Teilweise wird gebrüllt wie am Spieß, und Tanja Pippi und Angy vermitteln weniger den Eindruck, sie seien zu ihrem persönlichen Vergnügen angetreten, als vielmehr: Die sind zu nichts anderem zu gebrauchen und verwechseln Bockigkeit und Wut mit künstlerischer Haltung. Na, Moment! Das ist eine künstlerische Haltung, und kokettiert wird hier mal mit gar nix. Ungewöhnlich und sehr gut.
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