Burial
»Untrue«
[Hyperdub / Cargo / VÖ: 26.11.2007 ]
Text:
arno raffeiner
[53 Kommentare]
Es wird keine Interviews mehr geben. Burial, dessen richtiger Name bis vor kurzem noch nicht mal bekannt war, hat beschlossen, sich ab sofort überhaupt nicht mehr über seine Musik zu äußern. Ausgerechnet jener Produzent, der vor etwas mehr als einem Jahr Dubstep zu einer Musik der Künstlerpersönlichkeiten gemacht hat und nun mit 'Untrue' bereits sein zweites Artist-Album veröffentlicht, will sich als Individuum ganz aus dem üblichen Betrieb zurückziehen und vollständig in seiner Musik verschwinden. Uns versammelte MusikschreiberInnen und -leserInnen kann das natürlich nicht erfreuen, doch Burials Haltung ist im Grunde nur konsequent: Seine Musik erzählt schließlich genug.
Auf 'Untrue' verwandelt er einmal mehr Dubstep, eine im Süden Londons aus Drum'n'Bass, Ragga und Rave-Abfall destillierte Tanzmusik, die ursprünglich wegen ihrer extremen Sub-Basslastigkeit außerhalb der Clubs kaum wirklich erfahrbar war, in ein Spiegelkabinett der Seelenlandschaften. Den physischen Impact der Sound-Masse ersetzt Burial durch Pathos: durch bedrohliche, zähflüssige Harmonieflächen, durch erhabenes, ja, tragisches Wabern und Rauschen, das sich tausendfach in barocken Hallräumen bricht und nur allmählich verliert. Der Klang von Düsternis, von Melancholie und süßen Hoffnungsschimmern wird verzerrt, gestaucht oder in digitalen Endlosschleifen zurechtgebogen.
Was auf den ersten Blick wie ein zufälliges Durcheinander der einzelnen Spuren und Geräusche wirkt, formt sich schließlich zu Songs. So werden Beat und Bass nur mehr als Folie für großes sonisches Gefühlskino benutzt, das in erster Linie durch seine sphärischen und emotionalen Qualitäten überzeugt. Burial bannt den Alltag oder besser: die Allnacht Süd-Londons als verwaschen-graues Szenario in einen Manga gewordenen Film noir. 'Homeless', 'Raver', 'In McDonalds' lesen sich beispielsweise die Stücktitel dieser episch-cinematischen Endzeitmusik. Einige wenige Wortfetzen aus Gesprächen mit ihrem mittlerweile verschwundenen Regisseur sind noch überliefert, zum Beispiel dieser: \\"Launenhaftigkeit hat diese Tunes gemacht, nicht ich.\\"
Und wer steckt nun hinter Burial? Mehr dazu im Forum.
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Kommentare
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Hipecac_243 03.12.2007 | 15:41:38
(in Gedanken ganz woanders):
"Und wer steckt nun hinter Burial? Mehr dazu im Forum."
Lustig, ihr.
ninjatuner 04.12.2007 | 16:09:58
indie landfill
die plstte ist der hammer. hab die gestern nacht fast 3 stunden alng mit guten sennheiser hd200 im verrauchten zimmer gehört und war mit geschlossenen augen in den sessel gelehnt un nur auf die musik konzentreirt. vom detail her auf jeden fall vergleichbar mit meinen leiblignsplatten von venetian snares, squarepusher, amon tobin oder dj shadow (auch wenn die natürlich andere richtungen einschlagen). ich liebe diese kontrast aus ambient-artigem soundteppich, aus weihcen tönen mit tiefem subbass, der, wie bei allen dubstepartigen sachen, raum schafft und gleichzeitig diese treibenden snares und 2step/garage-elemente und die soundefekte mit echo und reverb überzogen und sparsam, aber nicht chaotisch übereinander. es ist fast unmöglich, einen leiblingstrack zu ebstimmen (wobei homeless schon ne eigene erwähnung verdient). hier hat er auch stimmen als instrumente eingesetzt, am anfang dachte ich, die vocals machen das album kaputt, inwzischen kann ichs mir kaum ohne vorstellen.
dieses album macht wirklich süchtig und mti jedem hören entdeckt man neue schöne details in den kompositionen.
für mich mit dem altuellen boxcutter-album eine der elektronischen platten dieses jahres
Hipecac_243 07.12.2007 | 14:42:35
(in Gedanken ganz woanders):
Untrue is a record with desire streaked across it, and at times an almost unbearable yearning, but neither the desire nor its object is ever fixed, not for a moment. It’s this that makes the record both beautiful and hugely disconcerting, for desire here is not a place of safety, not a retreat into or towards a recognisable human body, let alone a female one. Untrue is post-human, disorientating
Interview
mtrbrt 07.12.2007 | 15:02:34
die geschichte ohne o
10 kudos für ninjatuner. schön beschrieben.
Punkcow 07.12.2007 | 16:12:09
Da wird sich Herr Schachinger aber freuen! Über meinem email-account hat er sich bereits erbrochen...
roxy69 18.12.2007 | 13:54:38
es gibt einen boy 8 bits.simple remix von "archangel" der perfekt auf der dünnen linie zwischen prolligkeit und sophisticated surft.
ich will den morgens in der pannebar hören. KILLER!!
das album ooch, aber noch nix für die 4/4 jünger.
dub ist die mutter!
popbitch 02.01.2008 | 13:10:47
erst vor einer woche gekauft. mit nichts vergleichbar in sachen atmosphäre, geräuschigkeit und, ja: emotionalität. berührt mich irgendwie und ist ne tolle platte. the dawn of a new era ;)
Reverend 02.01.2008 | 16:27:45
war immer aufrichtig
Naja, "the dawn(ing) of a new era" war dann aber doch eher das Burial-Debüt, oder nicht?
styg söderblad 02.01.2008 | 16:37:41
bist du marek?
ich höre das album seit ungefähr drei wochen immer wieder mal und schwanke zwischen "buäh, kruder und dorfmeister-update" und "super, goldie-timeless-update". aber so richtig new eras gibt es schon nicht mehr wirklich, oder bin ich da zu kleinkariert?
Reverend 02.01.2008 | 16:47:34
war immer aufrichtig
Boah, Kruder & Dorfmeister...das ist, äh, unfair.
styg söderblad 03.01.2008 | 10:41:17
bist du marek?
unfair, echt? ach komm. nicht so irre abwegig, oder?
snorej 03.01.2008 | 12:34:25
also ich hab mich immer noch nicht durchgerungen die scheibe zu kaufen. gestern wollt ich, da war sie aber nicht da. gerade mal um den block gegangen. ich fand die erste auch sehr erstaunlich aber empfand beim durchhören die neue nur als eine art aufguß, auch wenn nicht als aufguß mit wasser sondern eher mit spearmint.
mistawill 03.01.2008 | 13:26:58
mich erinnert das von der stimmung her eher an alte dj krush-platten, als an goldie oder kruder & dorfmeister (brrr). mit den vocals werde ich aber wohl nicht mehr warm.
Olai 03.01.2008 | 22:50:27
Zeltparanoiker
Die neue wollte bei mir zunächst auch nicht recht zünden, obwohl ich "Archangel" und "Raver" auf Anhieb super fand. Sicher, die erste ist bedeutend düsterer und roher, "Untrue" wirkt im Gegensatz dazu wie mit irgendwas Kuschligem gefüttert. Habe sie dann noch ein, zwei Mal gehört, und das wohl in der richtigen Stimmung. Mir gefallen inzwischen beide Alben sehr gut.
pourquoi pas 10.01.2008 | 16:50:46
beans on toast
stellte heute fest: das perfekte album, um morgens im zug vor der arbeit noch mal kurz komplett abzuschalten.
gefällt aber auch abends. brillant.
elec_tric 13.02.2008 | 14:48:45
ich mag diese vocals nicht so..
snorej 13.02.2008 | 20:06:59
das verdammte ding ist nicht zu bekommen! ich bestell das jetzt bei amazon.
snorej 15.02.2008 | 12:05:37
ich hab sie!!!
wehe sie is scheisse!
snorej 07.04.2008 | 20:40:15
im neuen kulturspiegel gibts designer die die mode für dupsteb entworfen haben, was ist denn das für ein blödsinn?
morus 04.05.2009 | 00:23:31
Hat das jemand?
BURIAL / FOUR TET - Moth / Wolf Cub
TEXT
12" // £5.99
DUBSTEP / GRIME / FUNKY
Released: Apr 2009
Catalogue Number: TEXT006
BURIAL / FOUR TET - Moth / Wolf Cub, TEXT
Black sleeve, Black centre label, no info - very few copies! That's pretty much all you need to know about this twelve, read much further into this review and you stand every chance of missing out on bagging what is already the most hyped-up and in-demand 12" of the year so far. But what does it sound like? Well, very good indeed is the quick answer. 'Wolf Cub' actually sounds pretty much exactly as you would imagine a Four Tet/Burial hook-up to sound, merging Kieran Hebden's refined Gamelan style sculptures with crushing woodblock percussion that would sound like an incorrigible Burial ripoff until you remember that, err, it is Burial! Sick sick tune. Over on the flipside things get a little stranger, with "Moth" delivering a kind of dour 4/4 variation that actually sounds like neither artist, making use of squashed club sounds with an almost claustrophobic feel. Alien, brilliant music unlike anything else you'll hear this year - hurry or there'll be tears! Essential Purchase.
Legoland 04.05.2009 | 09:05:42
Legolize it!
single des jahres.
morus 04.05.2009 | 19:50:32
Jetzt auch gehört. Prima. B-Seite Wolf Cub braucht ein bisschen, aber kann auch was. Die könnten ruhig ein Album zusammen machen.
Reverend 05.05.2009 | 12:45:42
war immer aufrichtig
Moth ist ein Gigant von einem Track. Unglaublich gut.
Ich bin im Fall von Burial wirklich fast geneigt, dem Geniekult zu huldigen.






