Francesco Tristano
»Not For Piano«
[InFiné / Al!ve / VÖ: 02.11.2007 ]
Text:
arno raffeiner
Pop bedient sich seit jeher nach Belieben aus dem Fundus der Klassik. Doch in letzter Zeit wurden umgekehrt Melodien für die Massen und selbst noch Maschinenmusik von ganzen Orchestern zurückgeklaut. Francesco Tristano, junges kosmopolitisches Klavierwunder, nutzt nun Techno als Aufhänger für ein Klassikalbum. Tristano interpretiert auf \\"Not For Piano\\" drei Klassiker von Rhythim Is Rhythim, Autechre und Jeff Mills, und auch seine selbst komponierten sowie die gemeinsam mit Rami Khalife eingespielten Stücke könnten als Techno-beeinflusst gelten.
Sie sind schwungvoll, eher simpel gebaut und repetitiv. Die Idee dahinter klingt spannend: Was passiert, wenn man die Grundkonstanten elektronischer Tanzmusik ersatzlos streicht? Wenn das Pumpen der Bassdrum wegfällt oder Sound als Kategorie quasi abgeschafft wird? Denn der Titel \\"Not For Piano\\" meint natürlich genau das Gegenteil: Außer dem einheitlichen Hämmern von Tristanos Klaviersaiten ist hier an weiteren Klängen kaum etwas zu hören. Ein Track wie \\"Strings Of Life\\" drängt sich für so eine musikalische Engführung natürlich geradezu auf, allerdings ergeben sich keine neuen Blickwinkel, wenn Tristano das eher einfach gestrickte Piano-Thema des Originals nochmals mit seinem Klavier nachspielt. Damit drängt der Virtuose im Gegenteil eine Frage in den Raum, die er vielleicht gar nicht gern beantworten möchte: Wer spielt besser? Im Duell Techno vs. Klassik nämlich meist die primitive Maschine.
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