BEWERTEN
 

Serj Tankian

»Elect The Dead«

[Warner / VÖ: 19.10.2007 ]

Text: Christian Steinbrink

\\"Es gibt kein richtiges Leben im Falschen\\", schwirrt es schon eine ganze Zeit durch den Raum. Aber nein, so ganz stimmt das doch nicht, denn auch wenn man ansonsten die ganzen modischen Ergüsse aus in Pop gewandeten Metal- und Hardcore-Elementen getrost und genüsslich links liegen ließ, hörte man bei System Of A Downs Alben unwillkürlich genauer hin. Das lag auch an ihrer enorm dynamischen Musik mit verblüffenden Kontrasten weit über die reine Dichotomie aus Laut und Leise hinaus.


Vor allem lag das aber an der sinnlichen, schmachtenden, theatralischen, wie eine Fanfare in den Himmel gestoßenen Stimme des Sängers Serj Tankian. Sein Gesang war kein strenges Shouting, kein Urzeit-Grollen, kein an antizivilisatorische Instinkte appellierendes Gegrunze. Er machte sogar den schwachen Funk-Impetus der Musik seiner Band stellenweise wirklich zu Funk. Ein Künstler also, der sich scheinbar nur noch vom ertragreichen und fesselnden Gefüge seiner Band befreien musste. Um dann eine Hammer-Soloplatte vorzulegen. Dachte man. Falsch.

Denn offenbar liebt Serj Tankian NuMetal doch mehr, als man sich erhoffte. \\"Elect The Dead\\" glänzt vielleicht durch noch rasantere und punkigere Dynamiken als System Of A Down, bleibt ansonsten aber doch sehr in altbekannten Koordinaten. \\"Praise The Lord And Pass The Ammunition\\" ist der beste, weil außergewöhnlichste Song, erinnert sogar an die tolle verblichene Crossover-Band Dubwar. Beim Rest stören aber die einförmigen Gitarreneffekte und das Meatloaf-Pathos. Insgesamt ist \\"Elect The Dead\\" ein weiteres sicher ertragreiches Album, nicht aber der erhoffte große Befreiungsschlag.



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