Pony Up
»Making Love To The Judges With Your Eyes«
Text:
Peter Flore
\\"Whither Canada?\\" hieß mal eine Folge von \\"Monty Python's Flying Circus\\". Und so langsam möchte man das den Pop-Verrückten aus dem Nordwesten wirklich mal zurufen, im Sinne von: Wo soll das noch hinführen? Mit dem Montreal-All-Girl-Quintett Pony Up jedenfalls weiter schnurstracks in die Herzen der Indie-Gemeinde. Wenn es nicht schon gleich zum Einstieg mit \\"Dance For Me\\" gelingt, dann doch aber spätestens mit \\"The Truth About Cats And Dogs (Is That They Die)\\", jener treibenden Mini-Hymne, die Win Butler und seine Regine vielleicht auch gerne geschrieben hätten.
Überhaupt ist hier doch wieder alles dabei, was wir am Pop-Schlaraffenland Kanada derzeit so toll finden: naiv-aufgedrehter und nie überladen wirkender Indie-Rock zwischen Kammermusik und Kinderzimmer, zwischen Bittersweet und Lollipop. Das beatleske \\"Only Feelgood\\" verdient diese Worthülse ausnahmsweise wirklich mal, und wenn eine der Sängerinnen - nämlich Laura Willis - im eingangs erwähnten \\"Dance For Me\\" mit dem Timbre eines Kleinkindes singt: \\"Dance for me / I like to watch\\", ist das so unschuldig-schulterzuckend, dass man gerne darüber hinwegsieht, dass ausgerechnet diese Zeile aus dem Erotik-Bestseller \\"Fanny Hill\\" stammt. Aber was soll's, ich bin ja eh befangen. Das mit den Augen und dem Gericht: Es scheint tatsächlich zu funktionieren. Ach, da hänge ich auch noch drei Fragen an:
Euer Albumtitel in allen Ehren, aber das ist schon mehr als reine Koketterie, oder?
Der Titel war nicht kokett oder neckisch gemeint. Es geht eher um Schwierigkeiten und Ärgernisse, um unglaubliche und absurde Erfahrungen, die wir als All-Female-Performing-Band machen mussten. Kontrolle darüber und es in den Griff zu bekommen, wie du wahrgenommen wirst, ist wirklich ein schwieriges Unterfangen. Und wenn dich Leute immer nur als Frauenband wahrnehmen, ist es wirklich schwer, aus dieser Rolle herauszukommen. Wir sind vier Frauen auf der Bühne. Ob nun infantil oder sexualisiert - wir versuchen nur, interessante Popsongs zu schreiben.
Euer Album ist eine fast perfekte Mischung aus College Rock, Indie- und Pop-Einflüssen. Wo liegen denn konkret eure Einflüsse?
Wir haben uns ganz bestimmt nicht zusammengesetzt und gesagt, wir wollen jetzt diesen oder jenen Sound machen. Es war ein sehr organischer Prozess. Wir jammen buchstäblich einen Tag lang, und am Ende entscheiden wir, ob wir etwas daraus machen oder ob es in den Mülleimer wandert. Es gibt bei uns Leute, die eher der zeitgenössischen Indie-Musik zugeneigt sind, andere mögen es klassisch, also tatsächlich Classic Rock. Es gibt da gar nicht so viele Überschneidungen, aber wir erkennen einen guten Pony-Up-Song, wenn wir einen vor uns haben.
Der Refrain des Stückes \\"Dance For Me\\" stammt ja aus dem erotischen Roman \\"Fanny Hill\\". Noch weitere Referenzen, von denen wir wissen sollten?
Keine konkreten Zitate, zumindest keine, die wir zugeben würden. Vielleicht die eine oder andere Zeile von unseren derzeitigen Lieblings-Songwritern. Wir vergeben einen Haufen Bonuspunkte an diejenigen, die sie herausfinden.
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