BEWERTEN
 

Clara Luzia

»The Long Memory«

[Asinella / Unterm Durchschnitt / Broken Silence / VÖ: 16.10.2007 ]

Text: Christian Steinbrink

&
Scout Niblett
This Fool Can Die Now
Too Pure / Beggars Group / Indigo


So erfrischend und humorig toll Scout Nibletts Eskapaden im Feld der Singer/Songwriter sowohl live wie auf Platte in der Vergangenheit auch waren - jeder erwartete und ersehnte endlich ihr ultimatives Song-Album herbei. Zu groß waren Talent und Kreativität, die sie auf ihren bisherigen, nichtsdestotrotz schönen Platten immer wieder nur ein wenig durchscheinen ließ. Nun, mit \\\\"This Fool ...\\\\" ist dieses endgültige Album nun wirklich entstanden. Bzw. hat sich die Niblett bequemt, es endlich aufzunehmen.


Sie hat nicht wieder den Großteil ihrer Stücke skizzenhaft belassen, sondern sie voller und von vorne bis hinten instrumentiert. Sie hat sich darüber hinaus auch Gedanken über Neuerungen gemacht und ist auf die Idee gekommen, Duette einzusingen. \\\\"Ich wollte einfach mal schauen, wie meine Stimme mit einer anderen harmoniert\\\\", wird sie lapidar im Info zitiert. Als Duettpartner gesucht und gefunden hat sie Will Oldham, und die vier gemeinsamen Songs, zwei Niblett-Kompositionen und zwei Cover, sind nichts anderes als wahre Perlen. Aber auch aus anderen Niblett-Disziplinen wie den sonst so unkonventionellen Schlagzeug-Stücken oder den Liedern mit rockiger E-Gitarren-Begleitung scheint dieses Mal echte Popsong-Schönheit heraus. Aufgenommen hat das alles Steve Albini, und der hat garantiert, dass die Stücke nicht etwa in neuem, glanzvollem Gewand aufgenommen wurden, sondern spröde, unmittelbar wie immer und letztendlich ganz wunderbar klingen.

Aber auch anderswo entsteht Bemerkenswertes auf der Grundlage des Folk: Clara Luzia aus Wien hatte mit ihrem Debüt schon ersten Auskennern Wohlwollen abgerungen, jetzt, mit dem erstmals regulär in Deutschland veröffentlichten Zweitwerk, wird sich die Zahl ihrer Fans sicher beträchtlich steigern. Ihre Stücke sind konventioneller und durchgehend voller arrangiert als die Scout Nibletts, sie beweisen ihre Einzigartigkeit aber durch unerhört pfiffige subtile Kniffe und eine bemerkenswerte Soundkreativität. Die Stimmung dieser Musik ist träumerisch, ohne unreflektiert zu sein, sie lässt sich und die Sinne der Hörer gleiten und ist doch zwingend gut. Clara Luzia singt dazu, meist zaghaft und hell, insgesamt aber sehr facettenreich, und auch die Themen der Lieder offenbaren erst auf den zweiten oder dritten Blick ihre Originalität. Insgesamt ein tolles Album, das nur knapp von Scout Nibletts Meisterwerk geschlagen wird. Deshalb gehen die drei Fragen jedoch an Letztere:

Die Duette mit Will Oldham sind wunderschön. Eure Stimmen passen so gut zusammen. Hast du auch an jemand anderes als Duettpartner gedacht?
Nein, Will war die einzige Person, an die ich dachte. Ich habe versucht, seine Parts speziell für seinen Charakter zu schreiben.

Einige der neuen Songs haben deutlich vollere Arrangements als je zuvor. Was waren die Gründe für diese Entwicklung, wer hat z. B. die Geigensätze geschrieben?
Ich hatte einfach nur ständig Geigen im Kopf, als ich über viele der neuen Stücke nachdachte. Deshalb habe ich auch die Arrangements geschrieben.

Welche Dusseligkeit meinst du im Albumtitel?
Die Torheit, mit jemandem zusammen sein zu wollen, obwohl man selbst von dieser Person nicht auf dieselbe Art und Weise gemocht wird.



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