Jens Lekman
»Night Falls Over Kortedala«
[Secretly Canadian / Cargo / VÖ: 10.10.2007 ]
Text:
Amelie Schneider
[11 Kommentare]
Jens wird nicht gesegnet. Es sind auch nicht Mamas fürsorgliche Hände, die ihm auf dem Cover der neuen Platte das Haar aus der Stirn streichen. Ein junger Mann sitzt beim Friseur. 140 schwedische Kronen für den immer gleichen Schnitt. Kortedala, ist das nicht ein besonders trister Vorort von Göteborg? Fest steht: Jens versteht was vom Popstar-Sein. Das inszenierte Drama (\\"... you get a gun and you name it after a girlfriend ...\\", so zu hören im Opener), die beklatschte Einsamkeit (\\"... I pick up a seashell to illustrate my homelessness ...\\", Song #2), die gleichzeitige Ambivalenz - wieder alles drin. Und immer schön auf der Seite der Mädchen!
Ex-Freundinnen, beste Freundinnen, lesbische Halb-Ex und halb-beste Freundinnen (\\"... your father is a sweet old man, but it's hard for him to understand, that you wanna love a woman ...\\", Song #4). Mit dem Moped fährt er allein zum Drive-in-Bingo. Keine Fellows, keine Gang (\\"In a tiny-tiny side-swedish country-town, riding on my moped, looking for fun\\", Song #12).
Ist es Zufall, dass 'Night Falls Over Kortedala' zu den dunklen Jahreszeiten erscheint? Nein, Jens, das gehört zum Konzept, habe ich recht? Genauso wie die Musical- und Tanzeinlagen, die da zu Beginn der Platte vor meinem inneren Auge stattfinden. Bläserensembles waren ja schon in dem Video zu 'You Are The Light' dein Thema. Nun kommen Streicher hinzu, wow, silberne Flöten, purzelnde Zylinder! Genial, Jens Lekman, die bessere Boyband! Bei 'Sipping On The Sweet Nectar', das in etwa das gleiche Tempo anklingen lässt wie Take Thats 'Everything Changes But You'.
Die große Show also, bis in Song #8, 'Your Arms Around Me', endlich die Sehnsucht zum Tragen kommt, die er so gut kann (\\"What's broken can always be fixed, what's fixed will always be broken\\") und sich bei 'It Was A Strange Time In My Life' in ein holpriges Sandmännchen-Sample auflöst. Und das ist neu an der Platte: Es sind nicht nur die verlorenen Lieben, die diese Melancholie inhaltlich tragen, es sind auch der Mickey-Mouse-Schlafanzug, die heiße Milch. Es ist auch Heimweh.
Er schafft es so schön, unser aller Alltags-Melange aus gelebter Poesie, 60s-Romantik und nüchternem Jetzt zu besingen. Versteckt in dem kleinen Studio in der Göteborger Vorstadthölle, entstand ein Album, das, mehr noch als die vorherigen, das Ich als blassen Autisten zelebriert, ohne peinlich zu sein. Danke Jens. Dass wir nur noch Play drücken müssen, um dran teilzuhaben.
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Frank_Orgel 12.10.2007 | 21:47:00
selling live water
heute schon irgendwer gekauft? grad beim ersten durchlauf, 2. song kann noch nicht viel sagen. auf jedenfall hohe erwartungen. vinyl mit downloadcode, sehr schön
rockotron 13.10.2007 | 13:47:58
lackaffe
"friday night at the drive-in bingo" fand ich als vorab-song fabelhaft, bei den ersten durchgängen des albums war ich dann eher enttäuscht. mittlerweile ist es deutlich (!) in meiner gunst gestiegen, insgesamt aber mag ich den "intimeren" und schrofferen jenne lieber als die breiten arrangements der neuen platte. das ist mir ein bisschen zuviel pomp.
die einfachen gecroonten pop-songs sind mir immernoch die liebsten, wie einst "black cab" und auf der neuen am ehesten "your arms around me".
felt254 13.10.2007 | 19:50:11
Nach dem ersten Durchhören kann ich mit dem "Lambada"-Sound leider auch noch nicht viel anfangen (im Gegensatz zu seinen bisherigen Werken).
Frank_Orgel 13.10.2007 | 19:57:57
selling live water
jetzt nach mehrmaligem hören: als erweiterung zum bisherigem oevre gefällt mir die platte eigentlich sehr gut. vor allem funktionieren die songs im albumkontext viel besser als jeder für sich. oh you are so silent jens wird aber trotzdem nicht getoppt
nadinski 15.10.2007 | 17:57:35
hat 1 herz aus hafenstahl
minimal samba. witzig. schön. herbst kann kommen.
volkehr 24.10.2007 | 12:01:40
ich finds geil!
mochte zwar auch den minimalsound der letzten scheiben,aber den hier teilweise aufgefahrenen Bombast kann ich nur begrüßen.abwechslungsreich arrangiert,zum totlachen produziert - und wie oft gibt es witzige produzenten?
Und es ist ein waschechtes Album - so mit nem Opener,der schon mal ansagt wo die Reise (inhaltlich) hingeht und den Hörer musikalisch in Sicherheit wiegt,um ihn im folgenden mit jedem Song aufs Neue zu schocken.
Geil!Repeat!
plague 28.10.2007 | 15:57:36
leider die enttäuschung des jahres. die letzten beiden lieder sind gut, der rest ist kitsch und schmalz.
schade eigentlich.
rockotron 29.10.2007 | 00:23:47
lackaffe
noch immer gefällt es mir längst nicht so gut, wie eine menge sonstigen materials des herren, aber mittlerweile ist es mir zumindest ein bisschen näher ans herz gewachsen. kann man vor allem äusserst gut durchhören. und neben den erwähnten "friday night..." und "your arms around me" gefallen mir vor allem "i am leaving you because i don't love you" und "sipping on the sweet nectar".
plague 29.10.2007 | 18:05:52
@ schunkel: sie sind nicht so überladen und friday night... ist ein wunderbarer popsong.
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