BEWERTEN
 

Róisín Murphy

»Overpowered«

[Emi / VÖ: 16.10.2007 ]

Text: Thomas Venker
[51 Kommentare]

Wenn ich den Namen Róisín Murphy höre, muss ich immer an Linus Volkmann denken. Und das kommt so: Wir waren im Herbst 2001 gemeinsam in London, um an einer epochalen Pulp-Titelgeschichte zu arbeiten. Für diese wurden wir auch zu Jarvis Cockers Geburtstagsparty eingeladen, auf der neben Boy George vor allem Róisín Murphy als unersättliche Tänzerin auffiel. Ziemlich drüber war sie allerdings auch - sonst hätte sie uns wohl nicht das Gefühl geschenkt, nur mit uns zu den Indiehits, die Jarvis mit Pulp-Kumpel Steve Mackey auflegte, zu tanzen.


Warum ich das erzähle? Nun, wir gaben zu diesem Zeitpunkt keinen Pfifferling mehr auf sie. Moloko war gerade in Schutt gegangen, sie offensichtlich mehr damit beschäftigt, ihren Körper zu ruinieren, als neue Popentwürfe auszutüfteln. Würden Popstars in Aktien gehandelt und könnten sich Musikjournalisten solche leisten, dann wären an diesem Abend alle Murphy-Aktien verbrannt worden.

Umso erfreulicher war 2005 das Solodebüt 'Ruby Blue'. Es hatte gedauert, aber sie hatte sich überraschenderweise dann doch noch aus dem Schlamassel herausgezogen. Davon zeugte ebenfalls ein grandioser Melt!-Auftritt in jenem Sommer und eine daran anschließende lange Tanznacht zum Set von Erobique und Justus Köhncke. Und auch 2007 scheint sie ihr Leben im Griff zu haben: 'Overpowered' klingt sehr konzentriert. Zunächst verblüfft der glattere Sound im Vergleich zum Solodebüt; produziert hat diesmal nicht Matthew Herbert, sondern Eiji von Bugz In The Attic. Aber glatt muss ja nicht per se schlecht sein. Vor allem, wenn man zum richtigen Zeitpunkt dagegenzusteuern weiß.

So bratzt beispielsweise gleich im Titelstück die 303 dezent, aber wirkungsvoll und dreht sich im Hintergrund euphorisierend ein Sample aus dem Tiga-Hit 'Sunglasses At Night' - überhaupt wurde für 'Overpowered' hervorragend gesamplet. Und auch Murphys Gesang stimmt. Mal gibt sie die Diva und croont sich in die Höhe, dann wieder singt sie auf Straßenniveau oder schwelgt in Barstimmung. Auf dem Album finden sich nämlich nicht nur zu Ende gedachte Hochglanzschmissigkeit, sondern auch jene magisch-melancholischen Momente, welche die großen Moloko-Hits immer so ausgezeichnet haben.



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  • User: afromme
  • afromme 12.10.2007 | 17:10:57

    Da ist dem wehrten Autor wohl zugunsten der textlichen Dramatik (sich mit Drogen wegschießende Künstlerin, die das Ende ihrer Band nur mittelmäßig verkraftet) das eine oder andere Pferd durchgegangen.
    Im Herbst 2001 waren Moloko mitnichten gerade in Schutt und Asche aufgegangen. Sie hatte sich gerade von Mark Brydon getrennt, ja - aber auf privater Ebene. Ein paar Monate später (Anfang 2002) begannen trotzdem noch die gemeinsamen Aufnahmen zum 2003 erschienenen Moloko-Album "Statues". Für das man sich dann den einen oder anderen Arsch abtourte, woraufhin Murphy ziemlich fließend zur Fertigstellung ihres Solodebuts "Ruby Blue" überging.

    Vielleicht war sie an jenem Abend im Herbst ja tatsächlich einigermaßen drüber, weil sie sich frisch von ihrem langjährigen Lebenspartner getrennt hatte. Aber das nun direkt auf ihre (vermeintliche) damalige künstlerische Zukunft zu übertragen, war bzw. ist vielleicht doch etwas weit hergeholt - damals schon, im Nachhinein noch mehr.

    Blöd auch, dass für diese schiefe Anekdote sogar mehr Text aufgewendet wird als für die ALbumrezension selbst.

  • User: Der JO
  • Der JO 12.10.2007 | 18:30:43

    Wie der Venker halt so schreibt...

  • User: rockotron
  • rockotron 12.10.2007 | 21:19:46
    lackaffe
    die rezension lese ich nicht. aber die erste hälfte des albums, das hier gerade zum ersten mal läuft, finde ich dufte.

    darüberhinaus erwähnte ich schon an anderer/n stelle(n), dass overpowered für mich ein absoluter überhit ist, der nirgendwo die verdiente anerkennung, lobhudelei, abfeierei bekommt...

  • BadBrain 13.10.2007 | 13:49:03
    zack! regierung gestürzt.
    total daneben: overpowered gibt es nicht auf vinyl! langsam reichts mir: wie kann man solche musik veröffentlichen und sie nicht als vinylpressung anbieten. das fande ich damals bei der private press von dj shadow auch schon vollkommen absurd.

    ich wollte sie mir grad kaufen und dann sowas. weiß jemand, ob die noch kommen soll?

  • BadBrain 13.10.2007 | 13:53:32
    zack! regierung gestürzt.
    import für 21 pfund plus shipping... na super! da warte ich wohl noch.
    aber vielen dank für die schnelle antwort!

  • felt254 13.10.2007 | 19:49:16

    ...das Album hat im ME eine extrem schlechte Kritik von O. Görtz bekommen. Was nicht unbedingt was heißen mag. Den Titelsong fand ich auch grandios, Single Nr. 2 schon bissl belangloser (was die Kritik im ME ist). Groove Amanda als Produzenten, ich weiß nicht. Wann kommt denn das Album?

  • User: rockotron
  • rockotron 13.10.2007 | 20:07:19
    lackaffe
    "belanglos" kann man zumindest nachvollziehen.
    ich finde es aber im pop-kontext gut.

  • schunkel 15.10.2007 | 13:59:55

    Die Wigger-Kritik auf SpOn triffts wie immer ganz gut: "Super Platte, die man niemals zu Hause auflegen wird"

  • weiche zäune 15.10.2007 | 15:42:20
    love love love yeah
    belanglos ist natürlich das ungefähr dümmste kriterium das man in einer kritik anwenden kann.

  • User: UweB
  • UweB 16.10.2007 | 22:33:07

    Super Album, elektronisch, funky, sexy.
    Gefällt mir sogar besser als das etwas "künstlerische" erste Album.
    Gut dass Roisin ihre Exzesse so gut in den Griff bekommen hat. Ihrer Stimme hat das jedenfalls nicht geschadet, die klingt auf dem Punkt. Traurige Gegenbeispiele gibt es ja gleich im eigenen Land, wo ehemals Topsängerin(nen) wie alte Hexen-Raben und rostige Sargnägel klingen.

  • weiche zäune 17.10.2007 | 12:54:16
    love love love yeah
    westernhagen?

    auch toll gleich von "Exzessen" zu sprechen, wenn leute auch mal ein bischen gefeiert haben..

  • User: 101
  • 101 17.10.2007 | 13:59:45

    ...endlich mal ein Album, was ich mir mal wieder "physisch" kaufen werde. Die gute hat´s verdient. Tolle Musik und wie rockotron schon so richtig schrieb: allein so ein Stück wie "Overpowered" zu komponieren, produzieren und auf den Markt zu schmeißen, verdient nicht genug Anerkennung. Ein Wahnsinns Song!
    Schon allein deshalb kauf ich mir die Scheibe...

    ...die 303...ein Traum!
    ;-)

  • User: UweB
  • UweB 18.10.2007 | 15:18:40

    @ joe public

    nein, Nena klingt doch seit 20 Jahren immer gleich.

  • User: UweB
  • UweB 18.10.2007 | 15:20:11

    @ weiche zähne
    na in der Rezension klang es schon so, als habe Roisin so gefeiert, dass befürchtet werden musste, sie könne nie wieder ne Platte/CD rausbringen. Hörte sich für mich so an.
    Ich hab auch nichts gegen Exzesse, wenn sie eben keine dauerhaften Schäden hinterlassen.

  • User: extravagant
  • extravagant 20.10.2007 | 23:17:11

    ein album, aus welchem durchaus mehr rauszuholen gewesen wäre.
    ein/zwei/drei hitverdächtige songs sind dabei, aber der rest echt belanglos.
    schade, dabei habe ich moloko so sehr größtenteils wegen roisin geliebt. :-/

  • weiche zäune 22.10.2007 | 10:11:07
    love love love yeah
    no offense. ich mag das album sehr und höre da auch mehr als ein/zwei/drei hits

    und die "rezension" vom venker ist halt noch weniger als ein schlechter witz, da muss man nicht auch noch daraus zitieren..

  • User: der Don
  • der Don 22.10.2007 | 13:17:07
    the whitest boy alive
    ich mag es auch sehr. klar ist das alles sehr gefällig und nicht jeder song sitzt wie angegossen, dennoch geht das für mich in eine viel versprechende richtung und ist extrem tanzbar

  • User: Der JO
  • Der JO 22.10.2007 | 16:45:59

    Wie ist die denn live so?

  • User: heckenpenner_rot
  • heckenpenner_rot 23.10.2007 | 20:07:49

    absolut sehenswert! eines meiner highlights 2005.

  • User: dax
  • dax 23.10.2007 | 22:07:11
    Everybody´s Darling
    Oh ja, auf jeden Fall sehenswert.

    Zudem gefällt mir das aktuelle Werk auch ausgesprochen gut.

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