Quio
»Phiu«
[AGF Producktions / mdm / VÖ: 22.09.2007 ]
Text:
Martin Büsser
Quio liebt es, mit dem Klang von Sprache zu spielen. Schon \\"Bratwurst\\", die erste Nummer, wartet mit einem unglaublichen Kauderwelsch auf: einer Mischung aus bewusst holprigem Englisch und \\"Zack, zack\\"-Deutsch, das sich genau so anhört, wie Engländer sich die deutsche Sprache vorstellen. \\"Eisbein\\", \\"Jawohl Frau General\\", \\"Otto Motor\\" und \\"Stinkekäse\\" werden als Reizworte eingestreut.
Doch Quio a.k.a. Ina Rotter geht es nicht alleine darum, Klischees und Floskeln zu demontieren, vielmehr benutzt sie Sprache als einen Babel'schen Setzbaukasten, in dem Sinn und Klang einander ständig im Wege stehen. In einem Interview hat Quio einmal gesagt, dass sie die ernsthaften, auf Sprechmacht zielenden Texte im HipHop nicht besonders mag, sondern Sprache lieber sinnfrei, aber musikalisch einsetzt. Auf ihrem zweiten, mit Produzentin AGF (Antye Greie) eingespielten Album treibt sie dies zu bislang nicht gekannter Perfektion. Das ist Dancefloor-Dada im besten Sinne. Reste aus Drum'n'Bass und Dubstep münden in einen kargen, manchmal groovigen, manchmal stolpernden Zick-Zack-HipHop, dessen schneidende Breaks fast schon virtuos anmuten. Zusammen mit illustren Gästen wie Nicolette und Audiotaxi sowie dem 16-jährigen Stimmtalent Lise hat Quio ein ungemein bereicherndes Album aufgenommen, bei dem Negatives eigentlich nur im positiven Zusammenhang auffällt: Die wenigen ruhigen Chill-Nummern des Albums sind so fabelhaft, dass man sich an der einen oder anderen Stelle etwas weniger rhythmische Komplexität gewünscht hätte. Doch andererseits ist es genau diese Vielfalt, die \\"Phiu\\" davor bewahrt, allseits gesättigte Nischen zu bedienen.
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