Diverse
»Monitorpop DVD No. 1«
[Monitorpop / VÖ: 18.09.2007 ]
Text:
Martin Büsser
Wenn Labels ihr Gesamtprogramm vorstellen möchten, geben sie gerne Billig-Compilations heraus. Doch dieses Projekt ist weit ambitionierter. Auf den ersten Blick bietet der erste DVD-Sampler aus dem Hause Monitorpop Begleitmaterial, das auf \"offizielle\" Veröffentlichungen hinweist und für sie wirbt: Interviews mit Amos Kollek und Hermann Nitsch oder ein Clip der Einstürzenden Neubauten fungieren als Teaser für die bei Monitorpop erschienenen Kollek-, Nitsch- und Neubauten-Editionen.
Doch diese DVD will mehr. Im Doppel mit einem liebevoll gestalteten Beiheft beansprucht sie nichts Geringeres, als eine neue Kulturzeitschrift im DVD-Format zu sein. \"Contemporary Culture On DVD\" lautet der Untertitel. Und dies ist auch der kleinste gemeinsame Nenner, der die Interviews mit Künstlern wie Matthew Herbert, Throbbing Gristle, Mark Stewart sowie experimentelle Kurzfilme u. a. von Leigh Bowery und Dick Jewell und Foto-Slideshows von bedeutenden Fotografen wie Allan Tannenbaum zusammenhält - Monitorpop versammelt alle erdenklichen künstlerischen Ansätze, die sich in irgendeiner Form einer radikalen, provokanten, avantgardistischen Tradition verpflichtet fühlen. Es geht um Transgression, Verwirrung, Schock. Eine ganz schön mutige Aufgabe in einer Zeit, wo niemand mehr wirklich an die provokante Wirkmacht der Kunst glauben mag und die Feuilletons den drolligen Jonathan Meese als Gipfel der Verruchtheit darstellen. Postmoderne bedeutet auch Post-Schock-Zeitalter. Aus diesem Grund ist es auch ein wenig Augenwischerei, wenn Monitorpop uns diese DVD nun als \"Contemporary Culture\" verkauft, denn 80 % des hier Dargebotenen entstammt der 1980er-Jahre-Ästhetik, der apokalyptischen Punk- und Industrial-Attitüde, die unwiederbringlich mit jener Zeit verbunden ist, \"als die Welt noch unterging\", wie es Frank Apunkt Schneider so schön formuliert hat. Im Grunde handelt es sich also um ein nostalgisches Unterfangen. Das dürfte den Herausgebern bewusst sein, schreiben sie doch im Vorwort zum DVD-Booklet: \"Die Videos oder Diaserien gehören zum Raritätenkabinett, sind nicht im täglichen Fernsehen zu sehen und dürften den Freunden der besonderen Unterhaltung Spaß bereiten.\" Das ist richtig, ehrenwert, schön, aber nicht wirklich \"contemporary\".
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