Dapayk & Padberg
»Black Beauty«
[Mo's Ferry Prod. / Word And Sound / Rough Trade / VÖ: 18.09.2007 ]
Text:
Roland Wilhelm
Das Tolle an Eva Padberg ist ja, dass sie ihren Status als \\"singendes Model\\" nicht so penetrant in die Öffentlichkeit trägt wie z. B. eine Carla Bruni. Denn ganz uneitel lässt sie es zu, dass ihr Musik- und Lebenspartner Niklas Worgt a.k.a. Dapayk ihre Stimme auch mal komplett verfremdet oder zerhäckselt. Damit stellt sie sich vollends in den Dienst einer Idee von lebendig klingendem Minimal-House, die sich auf \\"Black Beauty\\" nicht nur durch die schon vom Vorgänger \\"Close Up\\" bekannte \\"Instrumentalisierung\\" der Stimme auszeichnet, sondern vor allem durch die Beats, die gerne auch mal mit HipHop flirten und sich an einer interessanten Herangehensweise an Percussion-Sounds nähren.
Denn die wirken nicht selten wie verfremdetes Field-Recording (von z. B. Billard-Kugeln oder Pingpong) und purzeln munter verquer durch die vertrackt angelegten House-Gebilde. Dass der Gesang auf diesem Album durchaus auch Bedeutung transportieren soll, tritt am deutlichsten bei \\"Doerti\\" zutage, einer ironischen Abhandlung über Sexismus in der Popmusik, und bei \\"Khes\\", mit seiner Eingängigkeit und seinem trockenen Bounce für mich der heimliche Hit der Platte. Auch sehr schön: das Stück \\"Island\\" mit Gastsänger Caro. Drei Fragen an Dapayk:
Welchen Grund hat es, dass ihr auf eurer neuen Platte die Musikindustrie so stark thematisiert? Entspringt dies konkreten, kürzlich gemachten Erfahrungen, oder reflektiert ihr einfach, wie ihr das Business um euch herum wahrnehmt?
Wir haben neben unserem Musikprojekt drei kleine Technolabels. Somit bekommt man einerseits die Schwierigkeiten bei der Tonträgerproduktion und natürlich auch die der künstlerischen Seite mit. Ein großes Thema ist für uns das Kaufverhalten der neuen Generation von MP3-DJs. Wir wollten dies mit \\"Black Beauty\\", einer Metapher für Vinyl, ansprechen. Es verändert sich gerade viel. Es gibt Partys ohne Schallplattenspieler, bei denen sich der DJ mit einer Festplatte an einen Computer mit Traktor anschließt. Es gehen einfach Skills verloren und das Organische. Hinzu kommt, dass die Leute durch die MP3-Flut kaum noch Überblick haben und meist die a-Seiten-Titel als Empfehlung nehmen und kaufen. Wobei die b-Seiten doch auch Teil einer EP sein sollten, dabei aber untergehen. Am Ende spielen alle die gleichen Sachen.
Den Song \\"Khes\\" sehe ich als sehr dogmatisches Stück auf dem Album. Aber wie beurteilt ihr die Rolle von Drogen in der heutigen Clubszene? Im Text kommt es ja eher wertungsfrei bzw. fast affirmativ rüber.
Ich halte den Text absolut nicht für wertungsfrei! Sicher werden Drogen und deren Wirkung angerissen, die Hook jedoch sagt eindeutig, aber rough übersetzt: \\"Ihr tanzt, selbst wenn ich mit einem Holzlöffel auf den Tisch haue! Interessiert ihr euch noch für Musik?!\\" Es ist schade, dass Techno zu häufig nur auf Drogenkonsum reduziert wird. Man ist ja schon ein Aussätziger, wenn man nichts nimmt! Letztens wurde ich von einem 22-jährigen DJ angesprochen: \\"Hier, nimm mal eine E, dann verstehst du, wie schräg deine Musik ist!\\" Ich finde das traurig. Aber wir wollen sicher nicht belehren, muss jeder selbst wissen. Es ist sicher auch nicht gut, jedes Wochenende Alkohol in sich reinzuschütten. Das Schlimme ist nur, wenn man merkt, dass es nicht mehr um die Musik geht und es eigentlich scheißegal ist, was da läuft oder ob der Sound gut ist. Deswegen meiden wir auch die Berliner Partys.
Wie kann man sich euren Arbeitsprozess vorstellen? Seid ihr eine Wochenend-Band, oder nimmt sich Eva für die Produktion eines Albums eine Woche frei von ihrem (nehme ich an) zeitintensiven Job?
Wir sammeln eigentlich über einen längeren Zeitraum Ideen, in diesem Fall über ein Jahr, und beenden das dann in ca. zwei Monaten kontinuierlicher Produktion. Eva ist viel unterwegs, aber wir genießen die gemeinsame Zeit, die wir zusammen sind, ob im Studio oder \\"nur\\" daheim. Eva schreibt häufig die Texte im Flieger oder abends im Hotel. Gelegentlich recordet sie auch kleine Gesangsschnipsel und schickt sie mir. Ich mach das genauso mit Loops und Arrangement-Ideen. Wir schicken uns das dann gegenseitig, und jeder bastelt fast allein am Material weiter, am Ende wird alles zusammengeschmissen. Ein Großteil der Sachen entstand dieses Mal in einer Berghütte in Österreich. Wir fahren seit mehreren Jahren jeden Januar dorthin, und während unsere Freunde Karten spielen, basteln wir an Ideen. Diese Ruhe hat man sonst daheim nicht.
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