Beirut
»The Flying Club Cup«
[4AD / Indigo / VÖ: 20.09.2007 ]
Text:
Bernd Seidel
[13 Kommentare]
Beirut - das ist doch die Ein-Mann-Band dieses Wunderkinds, das jahrelang irgendwo im amerikanischen Hinterland und als Teenie im Kinderzimmer Songs aufnahm und dann mit seiner Debütplatte für Furore sorgte, die ein üppiges osteuropäisches Zitatnetz im Sound besaß, die selbst Klezmer persönlich zu kennen schien und überhaupt jeglich denkbarem Klischee trotzte. Genau. Danach folgten Bandgründung, Welttournee, Nervenzusammenbrüche. Das ganze hysterische Programm halt, das der Popzirkus für seine besten Schüler zu bieten hat.
Und jetzt? Jetzt geht's weiter. Und man rätselt: Ist das nun zwangsläufig nach dem Aufschlag des Debüts der nächste Titelkandidat für die Musikmagazin-Riege, oder ist der Novelty-Knall verklungen, und die Fingerübung der exotischen Stile rutscht durch ins Mittelfeld? Selbst wer Letzteres denken wollte, muss angesichts von \\"The Flying Club Cup\\" umschwenken. Die Platte ist ein Hammer. Dreivierteltakte in Pop, schwelgerische Schwermut und die Kunst, dass all die ungewöhnlichen Instrumente nicht als Welle über den Hörer spülen, sondern dass immer wieder einzelne herauschoreografiert werden, um individuelle Akzente zu setzen. Wahnsinnig schön und wahnsinnig originell. Man hört, dass diesmal eben nicht alles hinter dem heimischen Kamin erdacht wurde, sondern dass hier ein echtes Bandorchester geführt wird. Einzig die weitere Idee der Platte, dass sie eine Hommage an Jacques Brel und das alte Frankreich sei, diese Idee wirkt ein wenig aufgesetzt und ist in den Songs nicht völlig nachvollziehbar. Aber diesen Rahmen braucht ohnehin keiner. Die Stücke genügen sich komplett selbst. Ein Riesending.
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Kommentare
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Fincher 12.10.2007 | 19:17:06
North Rhine-Westphalian Scum
Das Album ist in der Tat wieder sehr schön geworden. Besonders 'A Sunday smile' und 'Guyamas sonora' sind großartig.
plague 12.10.2007 | 19:45:23
schöner als gulag orkestar iste es und auch viel zugänglicher, owen pallett hat auch, wie immer, große arbeit geleistet.
snorej 12.10.2007 | 20:42:45
also nach dem ersten durchhören kommt das mir vor wie ein aufguß in der 90 grad sauna, ich hör da keinen großen unterschied. da gibt es in dieser richtung weit aus bessere sachen aus der EU.
Reverend 12.10.2007 | 20:55:42
war immer aufrichtig
Mir fehlen bislang noch ein bisschen die Hits, es hat mich noch kein Song so richtig berührt wie damals Postcards From Italy oder Canals Of Our City. Kommt aber vielleicht noch.
Ich bin aber auch nicht so ein Fan französischer Chansons oder dieses Amélie-Soundtracksounds.
snorej 12.10.2007 | 21:00:34
also ich find die le pop sampler sehr ausgeglichen, hör ich mir gern an. meine lieblingsband allerdings ist mickey 3d, auch die soloplatte des sängers ist phantastisch, vielleicht liegt es auch nur daran, dass die urlaube in frankreich so schön waren.
plague 14.10.2007 | 21:23:03
a sunday smile sollte man bei seiner hochzeit als walzer wählen...
gnathonemus 15.10.2007 | 00:06:22
toller specht
ich finde die chanson-anklänge nicht so furchtbar prägnant. osteuropa ist noch an allen ecken und enden dominant. und mit yann tiersen hat das eh gar nichts zu tun. neben "nantes" halte ich auch noch "cliquot" für hitverdächtig.
insagesamt muss ich aber schon auch sagen: an die erste kommt sie nicht ganz ran. liegt wohl am novelty-effekt. eventuell.
morgenstern 15.10.2007 | 10:53:54
bin sie mir gerade zum 2. mal am anhören....
die scheibe berührt mich bisher nicht so sehr wie die gulac orchestra.....die gefiehl mir vom ersten hören an SEHR!
haru_specks 24.10.2007 | 12:59:03
shine on
chansoneskes höre ich nicht raus. die platte flutscht aber tatsächlich schneller, als die "gulak". ansonsten hat er sein schema raus: mandolinenchords, gesang, beat mit tambourin und dann die bläser. kurz gesagt: ich mag es sehr.
rockotron 24.10.2007 | 14:07:19
lackaffe
ich möchte gerade noch "cherbourg" als aktuelles lieblingslied der platte nennen. zum heulen.
Gina_Only 26.10.2007 | 12:45:37
sehr angenehme musik.
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