BEWERTEN
 

Atreyu

»Lead Sails Paper Anchor«

[Roadrunner / VÖ: 18.09.2007 ]

Text: Michael Engelmacher

Die Onomastik beschäftigt sich mit der Bedeutung, Herkunft und Verbreitung von Namen. Lieschen Müller würde wohl \\"Namenforschung\\" dazu sagen und wäre ganz überrascht zu erfahren, dass sie so heißt, wie sie eben heißt, weil einer ihrer Vorfahren mit Hilfe einer Mühle Mehl hergestellt hat. \\"Ein Müller also\\", würde sie dann sagen, \\"das erklärt zumindest, warum ich so gerne Brot esse.\\"


Doch auch im Popjournalismus kann die Detektivarbeit am Namen Sinn stiften: Atreyu aus Kalifornien haben sich nach einem Charakter aus Michael Endes \\"The Neverending Story\\" benannt, was in der Sprache des Protagonisten so viel bedeutet wie \\"son of all\\". Und genau das ist auch das Problem ihres inzwischen vierten Albums: Hier waren zu viele Eltern an der Erziehung beteiligt, und die Band will ihnen allen ein guter Sohn sein: der Hardcore-Szene, von der sie großgezogen wurde, dem Hardrock der Achtzigerjahre, an den sie keine Erinnerung mehr hat, und dem Metalcore, bei dem sie die letzten Jahre untergekommen ist. Und der dicke Onkel Stadionrock soll schließlich auch nicht enttäuscht werden, weswegen manches auf \\"Lead Sails Paper Anchor\\" letztendlich sogar an Linkin Park oder Papa Roach erinnert. Oder, um es mit Michael Ende zu sagen: Das zugkräftige Pferd von Atreyu versinkt so langsam in den Sümpfen der Traurigkeit.



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