José González
»In Our Nature«
[Peacefrog / Rough Trade / VÖ: 13.09.2007 ]
Text:
Christian Steinbrink
Zuerst kam ein ereignisarmer Auftritt beim Haldern Pop, dann der Werbespot mit den vielen bunten Bällen. So lernte ich José González kennen, und es waren wahrlich keine warmen ersten Begegnungen - auch wenn das Cover von The Knifes 'Heartbeats', das sich der Elektronikkonzern zur Untermalung seiner herumspringenden Gummipillen ausgesucht hatte, im Vergleich zu sonstigen Werbespots durchaus aufhorchen ließ.
Schließlich wurden aber die Stimmen der Auskenner, die González und seine Musik in höchsten Tönen priesen, immer lauter, so beständig jedenfalls, dass sich eine genauere Auseinandersetzung zur allgemeinen Sorgfaltspflicht entwickelte. Jetzt läuft dieses neue Album hier, und ich frage mich, ob ich mich schon jemals derart geirrt habe. Denn die zehn Songs sind alles andere als schmalzig oder auf den bruchlosen Genuss aus, sondern eher karg und überdies von einer ganz besonderen rohen Schönheit.
Hinter hellen Akustikgitarrenklängen und einer sanften Stimme verbergen sich emotionale Untiefen, so subtil und ungewohnt, dass es vieler Hördurchgänge bedarf, um sich einen Reim darauf zu machen. Stilistisch schwankt González zwischen Nick Drake (mal wieder) und Geoff Farina, und gerade die Stücke, die an Letzteren erinnern, glänzen durch unruhige und schwer zu fassende Dynamiken und Anschlagtechniken. Überhaupt sind diese Gitarren gar nicht einförmig, sondern zerrend, mit einer Unmenge von kleinen und wechselhaften Stromschnellen. Darüber erzählt der Schwede González Geschichten, die in ihrem Gesangstempo mindestens ebenso unruhig sind. Zusammen ergibt das eine Platte, die nicht nur großartig ist, sondern auch besser und frischer als fast alles im aktuellen Folk.
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