M.I.A.
»Kala«
[XL Recordings / Beggars Group / Indigo / VÖ: 19.09.2007 ]
Text:
Vina Yun
M.I.A. is coming back with power, power. Mathangi \\"Maya\\" Arulpragasam, \\"lebendes Mixtape\\" aus London und seit ihrem 2005er-Debütalbum \\"Arular\\" als neue Repräsentantin des Global Pop gehandelt, ist wieder da - upfront und \\"knocking on the doors of your Hummer, Hummer\\". Mit allem Wissen der Inszenierung überführt M.I.A. die Kritik am westlichen Kanon und seiner Definitionsmacht in einen kämpferischen Gestus, der sich in parolenhaften Lyrics (\\"Take me on a genocide tour / Take me on a trip to Darfur\\") und leuchtend-grell aufbereitetem Artwork niederschlägt.
\\"Kala\\" (großteils produziert von M.I.A., zusammen mit ihrem Kollegen Switch) gibt sich kantiger und lärmiger als sein Vorgänger, funktioniert jedoch als Album ungleich besser. Im Gegensatz zu \\"Arular\\" wurden die Tracks für \\"Kala\\" (benannt nach M.I.A.s Mutter) nicht in den eigenen vier Wänden entwickelt, sondern \\"on the Road\\" rund um den Globus erfunden - wenn auch zunächst unter äußeren Zwängen, denn tatsächlich stand Maya Arulpragasam aufgrund ihres familiären Backgrounds und ihrer politisch aufgeladenen Messages zeitweise auf der Watchlist des U.S. Department of Homeland Security, was zu erheblichen Problemen mit dem Einreise-Visum für die USA führte.
Auch aus diesem Grund sind M.I.A.s Reisen nach u. a. Indien, Trinidad, Jamaika, Australien und Japan und die Vernetzung mit MusikerInnen auf den verschiedenen Kontinenten nicht als das bunte Sammeln diversester \\"Street\\"- und \\"Ghetto\\"-Sounds zu verstehen, wie es manche, einem neokolonialen Verständnis folgend, sehen wollen. Weil Kritik auch eine Frage der gesellschaftlichen Perspektive und SprecherInnen-Position ist, kommen etwa der englisch-nigerianische Rapper Afrikan Boy oder die Aboriginal Teen-HipHop-Crew The Wilcannia Mob zum Zuge.
Das könnte \\"World Town\\" im tatsächlichen Sinn sein: die Stimmen und Klänge aus der Peripherie (es funkelt Bollywood-Disco) über die Pop-Kanäle ins Zentrum holen und auf diesem Wege auch die hiesige Geschichte populärer Musik as we know it - von The Clash bis New Order - mit größtmöglicher Freude zersetzen.
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