Thurston Moore
»Trees Outside The Academy«
[Cargo / VÖ: 19.09.2007 ]
Text:
Martin Büsser
[5 Kommentare]
Diese Veröffentlichung ist eine kleine Sensation. Und das, obwohl Thurston Moore und Lee Ranaldo nahezu jeden Monat irgendein Seitenprojekt auf CD abliefern. Bei dieser CD handelt es sich jedoch nicht um eine der zahlreichen Noise-, Free-Jazz- und Improv-Kollaborationen (gegen die an sich nichts einzuwenden ist, wären sie nicht so unübersichtlich zahlreich), sondern um eine perfekt arrangierte Studio- und Indie-Pop-Platte. Mit Sonic-Youth-Mitstreiter Steve Shelley hat Moore den halben Kontinent nach geeigneten MitmusikerInnen abgegrast.
Zusammen mit J Mascis, Christina Carter (Charalambides), Samara Lubelski (The Hidden Cameras), John Moloney (Sunburned Hand Of The Man) und einigen anderen Gästen ist eine Platte entstanden, die man Freunden beim Blind Date locker als neues Sonic-Youth-Album unterjubeln könnte, vom fehlenden Gesang Kim Gordons einmal abgesehen. Mit Ausnahme von einer verrauschten, auf verstimmtem Klavier eingespielten Nummer, die sich wie eine Referenz an Daniel Johnston ausnimmt, gibt es hier kaum schräge Töne oder offenkundige Experimente.
Moore und Freunde suhlen sich im Pop. Und das ziemlich quietschfidel. Um es einmal im Konjunktiv zu formulieren: Wäre \\"Trees Outside The Academy\\" ein neues Sonic-Youth-Album, müsste man es als einen Fortschritt und als eine interessante Wendung bezeichnen. Während sich Sonic Youth seit geraumer Zeit - wenngleich auf hohem Niveau - um die eigene Achse drehen und seit \\"NYC Ghosts & Flowers\\" kein wirklich überraschendes Album mehr aufgenommen haben (okay, jede und jeder hat da eine eigene Rangliste ...), kommen hier plötzlich Elemente mit ins Spiel, die den SY-Sound unglaublich bereichern: Country, Blues, Folk, sogar Kammermusikalisches mit Violine wird angestimmt.
Moore goes traditional - und das steht ihm sogar ziemlich gut. Gleichzeitig wird Typisches beibehalten - der Gitarrenstil, die Gesangslinien - und sachte in neue Kontexte gebettet. Insofern ist dieses Album dann also doch ein Experiment, allerdings keines, das verwirren, sondern lediglich gefallen will. Und das ist ihm gelungen.
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Kommentare
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Legalman 24.09.2007 | 17:32:09
Rotweintrinker
So ist das.
Gefällt mir viel besser als die letzten Sonic Youth-Alben.
Beercan 25.09.2007 | 10:21:55
Es ist doch ziemlich nervig, das angeblich wenig überraschende Spätwerk von S.Y. gegen den angeblich so "unglaublich bereicherten" Sound von Moores Soloalbum auszuspielen. Und selbst wenn man letzteres den Lieben zu Hause "als neues Sonic-Youth-Album unterjubeln könnte", wenn sollte das wundern? Steve Shelleys Schlagzeug und Moores Gitarre und (vor allem) der Gesang sind ziemlich unverwechselbar. Wo Thurston Moore draufsteht ist immer Sonic Youth mit drin. Aber deshalb gleich das Spätwerks der S.Y. unter Langeweileverdacht stellen? Überzogene Reaktion.
Überhaupt finden sich viele Übertreibungen im der Rezension: von wegen "halber Kontinent abgegrast". Wer einigermaßen mit Moores Arbeiten und den Veröffentlichungen seines Labels (Ecstatic Peace) vertraut ist, der weiß, dass es sich bei Molony, Mascis, Carter etc. um übliche Verdächtige handelt. Dass Samara Lubelski was mit den Hidden C. zu tun hat, das wäre mir neu (Link)
Also mal langsam: eine Violine macht noch keine Kammermusik und das fehlen von Violinen legt nicht den Verdacht nahe, dass das S.Y.-Spätewerk wenig überraschend sei...
Alles ein wenig dick aufgetragen bzw. schief gewickelt. Aber das Album von Moore ist empfehlenswert. Keine Frage.
tidbit 30.09.2007 | 16:43:10
(@_@)oO0°*´¸.•’´¯)i°♥
'...alles ein wenig dick aufgetragen bzw. schief gewickelt. aber das album von moore ist empfehlenswert. keine frage.'
nix gegen die letzte s.y., die ist super!
und 'trees outside the academy' klingt wohl kaum nach sonic youth, auch wenn manch gitarrensound&gesang sich daran lehnt. klar
morus 30.09.2007 | 22:19:34
Ich bin ja nun gar kein SY-kenner und wenn die richtig krach machen, nervt mich das. die thurston-scheibe ist aber angenehm abgehangen, ohne zu langweilen. honest james klingt gar nach den walkabouts.
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