Slur
»Boo«
[Noise Deluxe / VÖ: 07.03.2008 ]
Text:
Martin Büsser
Zu den unerfreulichen Nebenerscheinungen der Globalisierung gehört auch, dass inzwischen aus allen erdenklichen Ländern Pop-Mittelmaß auf den Markt drängt, das - ohne Schwellenland-Bonus - nur ein Gähnen hervorrufen würde. Kein Mensch braucht Ramones-Klone aus China oder Grunge-Bands aus Malaysia. Gruppen wie die chinesischen Joyside, die hierzulande mit großem Hype eingeführt werden sollten, sich aber beim Publikum nicht wirklich durchsetzen konnten, mögen im eigenen Land durchaus Sinn und Laune machen - trotzdem darf an dieser Stelle mal die Arroganz des Westens ins Spiel gebracht werden: Die Unbedarftheit, mit der solche Bands Kapitalismus und Pop aufsaugen und in eins setzen, wirkt in unseren alten Pop-Ländern eher befremdlich als belebend. Umso erfreulicher, dass Slur aus Thailand ganz und gar nicht epigonal klingen, sondern britischen Indie-Pop mit einer Spur Ska auf eine ähnliche Weise verformt und zu ihrem eigenen Ding ummodelliert haben wie die Aeronauten.
Auch das ist eine der bizarren Folgen der Globalisierung - beim Hören einer thailändischen Band ständig an eine Band aus der Schweiz denken zu müssen. \\"Boo\\" hört sich an wie der beschleunigte, beschwingte Nachhall auf The Smiths, sehr britisch, sehr poppig, sehr distinguiert. Gesungen wird in Englisch, mit hörbarem Thai-Akzent, der das Ganze allerdings eher liebenswert als bescheuert macht. Hier wird deutlich, dass es einen hörbaren Unterschied zwischen bloßer Nachahmung und Aneignung gibt.
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