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Schneller Autos Organisation

»Noch mehr Hoffung für noch mehr Menschen«

[Dian / Broken Silence]

Text: linus volkmann

Die aktuelle Turbostaat gefällt mir gut. Und - mit Verlaub - von Nagel von Muff Potter habe ich dieses Jahr einen Kuss auf den Mund bekommen - und deren \\"Steady Fremdkörper\\" ist doch auch ein Highlight. Halten Sie mich für zurechnungsfähig und diese beiden Aussagen für nachvollziehbar? Na, dann kann's ja weitergehen. Also so nach dem Motto \\"Leute, die folgende Platte gekauft bzw. Musiker gestalkt haben, haben auch Folgendes bestellt\\". Nieder mit der regulären Kritik, hoch lebe die Relation. Oder ist das schon die Rückkehr der Mengenlehre - mit dem Claim \\"Schnittmengen finden\\"?

Na, egal. Schneller Autos Organisation kommen jedenfalls aus Hamburg und haben vor Jahren schon mal ein schönes Vinyl-only-Album rausgebracht. Nun geht's weiter. Sogar auf CD. Musikalisch fällt dabei erst mal auf, dass sich immer noch alles um Punk und Verzweiflung dreht - allerdings haben sich die ästhetischen Ausdrucksmittel verschoben. Die Musik ist nicht mehr so Dackelblut-mäßig verzerrt, aber dafür wirken die Songs in dem entblätterten Modus viel dringlicher, viel aufreibender. Mir fällt der - ja, immer leicht blasphemische - Vergleich mit den frühen Blumfeld ein, gerade beim Opener \\"Ohne mich (aber auch ohne dich)\\". Aber so unangemessen, wie es immer ist, so Mittelstandsmucker wie Schrottgrenze mit dem jungen Distelmeyer in Relation zu bringen, so gut passt es hier.


Also als ein Aspekt unter vielen. Ein anderer: Das Gefühl, dass die Musik so aufwühlend rüberkommt, obwohl sie eigentlich ja recht hermetisch und stehend ist, kennt man sonst so nur von The Sea And Cake. Und irgendwie Emo ist das alles auch. Toller Gestus, wenn wieder und wieder wiederholt wird \\"Armer Junge, armer Punk\\" - halb verächtlich, halb rührend. Man weiß nicht genau, woran man bei Band und den Texten ist, aber das macht die Spannung aus. Mal nachfragen:
Was gleich bei der neuen Platte auffällt, ist, dass die Songs nicht mehr ganz so gitarrenpunkig umgesetzt sind, aber dennoch oder gerade deshalb viel drastischer klingen. Würdet ihr das auch so sehen, wie hat sich das ergeben?
Wie immer hat es in den vergangenen Jahren Veränderungen gegeben. Wie bei allen, so auch bei uns. Die Aufnahmen dokumentieren diese Entwicklung, die von Geschmacksveränderungen, persönlichen und personellen Umbrüchen und neuen Erkenntnissen begleitet wurde; es handelt sich um Lieder, die in genau jenem Zeitraum entstanden sind. Dazu kommen Zufall, Tagesform und unbeabsichtigte Nebeneffekte. Natürlich ist nämlich nichts so geworden, wie man es sich vorher vorgestellt hat, und deshalb ist es in Wirklichkeit banal: Wir machen Musik, und wenn uns gemeinsam etwas gefällt, haben wir ein neues Lied.
Textlich ist man mitunter angenehm ratlos. Spendet ihr Trost für den \\"armen Punk\\" und Co. oder doch eher ein wenig fatalistische Verächtlichkeit für ihn und sein Hamsterrad?
Beides bzw. weder noch. Was für die Musik gilt, gilt zunächst einmal auch für die Texte. Sie handeln - weiterhin - von Abschluss und Anfang, von Trennung und Zusammenschluss und von Stillstand und Bewegung, von Prozessen also, die je nach Geschmack und Sichtweise von Autor und Zuhörer sogenannte private oder sogenannte politische Dimensionen haben, traurig stimmen und gleichzeitig aber auch - der Titel der Platte ist ja nicht als bloßer Zufall zu verstehen - das Prinzip Hoffnung herbeizitieren. Das ist unser Resümee der letzten fünf Jahre. Kerngedanke: Die Dinge fliegen durcheinander, die Begriffe verlieren ihre Bedeutung, die Lage ist unbeschreiblich, aber die Menschen hören deshalb ja noch lange nicht auf, Antworten zu suchen und zu finden. Punk, Pop, Demonstration, Liebesbeziehung: Die Ergebnisse sind falsch, die Wirklichkeit ist traurig und der Ton schroff. Und das Schöne ist: Wir sind selbst davon betroffen. Das hilft, nach noch besseren Antworten zu suchen ...



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aus Intro #153 (September 2007)
 
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