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Pechsaftha

»Dick in Frisco«

[Tumbleweed / Broken Silence / VÖ: 20.07.2007 ]

Text: linus volkmann

Pechsaftha sind diese Clique aus grafzahl, Junge von EA80 und Martin Büsser, der Adorno-sichere Weinkönig der Filterlosen of Zap-Fame. Immer wieder treffen sie sich in einem Häuschen, ich glaube, es liegt im Grenzgebiet zu Holland, kann aber auch wo ganz anders sein. Also, da treffen sie sich und machen Musik. Das Häuschen bzw. dessen Einrichtung sieht man in den Videos (drei davon gibt es hier als Bonus), und die entsetzlich leblose Kleinfamilien-Reihenhaus-Aura des Ortes konterkariert jede Vorstellung, hier handele es sich um ein hippieeskes Happening-Projekt. Nein, der Ort, an dem diese Musik entsteht, ist Selbstbestrafung und damit eine gute Basis für die paranoid düstere Grundstimmung der Songs. Und ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich mich mittlerweile an den regional eingefärbten Sprechgesang von Martin gewöhnt habe, oder ob die Band sich tatsächlich so entwickelt hat, aber mir kommt \\"Dick in Frisco\\" weit besser vor als der Vorgänger.


Sound und Musik besitzen eine hörbare DIY-Attitüde, es wird mit Rhythmik bis hin zur Kuhglocke experimentiert, aber die Songstrukturen sind dennoch nachvollziehbarer und die Stücke immer auf den Punkt. Textlich ist natürlich viel drin, wäre natürlich auch ein Skandal, wenn nicht. Aber man muss es Büsser und seinen Freunden hoch anrechnen, dass sie sich nicht in Formalismus, Verweigerung oder Abstraktion verschwenden.

In \\"Für immer in Pop\\" wird erzählt von der Omnipräsenz des coolen Styles, der damit einhergehenden Ökonomie und - da wird es dann richtig ätzend - dem Faustschlag gegen all die kollaborierenden Jammerer, dass, wenn es anders wäre, \\"wärst du nicht dabei\\". Genau. Und ätzend im Sinn von Säure natürlich und nicht im Sinn von schlecht. (Worauf bezieht sich das grammatikalisch?) Selbstkritik und überhaupt das Sichtbar-Machen, dass es in all dem schicken Konsens noch Kritik geben kann, das ist die große Leistung von Martins Texten. Da stört es auch nicht, wenn die Freundin beim Hören der Platte Folgendes zu Protokoll gibt: \\"Klingt wie das Wort zum Sonntag.\\" Denn selbst wenn - warum nicht? Sang nicht schon Tilman Rossmy auf einer sehr alten Platte: \\"Hab gehört, du bist jetzt so 'ne Art Prediger / Find ich ganz normal\\"?



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