Soil &
»Pimpoint«
[Brownswood Recordings / Cooperative Music / Universal / VÖ: 17.07.2007 ]
Text:
Martin Büsser
File under: Fusion. Mit ihren aus allen Jugend- und Trash-Kulturen zusammengestoppelten Klamotten sieht die Band aus Tokio zwar fast aus wie eine von Oxfam bestückte Wiederbelebung der frühen Roxy Music, doch das soll in ihrem Fall nichts kaschieren, schon gar nicht das musikalische Können. Soil & \"Pimp\" Sessions sind mit allen Wassern gewaschene Virtuosen, Jazz-Virtuosen. Das Punk-Element, das der Band gerne angedichtet wird, ist diesem sauber durchgeölten Sprint von Swing bis zu Hard Bob und Funk nicht anzuhören. Aber Jazz verkauft sich inzwischen wahrscheinlich besser, wenn man ihm noch ein Punk-Etikett anhängt. Die Klamotten mögen zwar nicht so richtig sitzen, die Musik dagegen ist absolut präzise. Vor diesem Timing und dieser Bigband-Verve würde sich auch James Last verbeugen.
Vergleichbare Ansätze hat es in den 1970ern an jeder Straßenecke gegeben - zu ihren bekanntesten Vertretern zählten Herbie Hancock, Miles Davis und Freddie Hubbard -, doch das macht Soil & \"Pimp\" Sessions nicht schlechter. Ihr schnittiger Funk-Jazz ist immerhin ein probates Mittel, Leute an Jazz heranzuführen, die sich so etwas niemals anhören würden, wenn das Wort \"Jazz\" bereits groß auf dem Cover stünde. Es muss also gar nicht lamentiert werden, dass die Bigband-Abfahrten von Sun Ra wesentlich radikaler und intensiver gewesen sind oder dass das Art Ensemble Of Chicago schon in den 1960ern viel abenteuerliche Formen der Fusion eingespielt hat - solange Soil & \"Pimp\" Sessions als Einstiegsdroge funktionieren, kann das nur recht und billig sein.
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