BEWERTEN
 

Michael Fakesch

»Dos«

[!K7 / Rough Trade / VÖ: 17.07.2007 ]

Text: arno raffeiner

Dieser Kalauer wird einem hier ja geradezu auf dem Silbertablett serviert: \\"Dos\\" ist purer Funk - ganz ohne Störung. Chris De Lucas und Michael Fakeschs Projekt Funkstörung ist Geschichte, beide machen mit neuen Partnern weiter. Fakesch scheint dabei den Funk-Part des gemeinsamen Erbes offensichtlich ganz für sich alleine beanspruchen zu wollen, denn das Album, das er mit dem Hamburger Taprikk Sweezee als Sänger und Ko-Autor zusammengeschraubt hat, hört sich verdammt noch mal so an, als wäre Prince drei Nächte in Folge allein mit einem Drumcomputer in einem Techno-Keller gefangen gewesen: dicke Bässe, Höllengroove und Falsett-Gestöhne.


Fakesch und Sweezee berufen sich dabei vor allem auf den slicken Minimalismus des Großmeisters: je nackter, desto geiler. Die Beats spielen, ganz in den Vordergrund gemischt, eindeutig die Hauptrolle, alles melodische Quietschen und Klimpern und Fiepen sowie Sweezees Stimme ist perfekt eingepasst, wirkt aber beinahe nur wie Zierwerk im Dienste des Rhythmus. Glattgebügelt klingt das trotzdem nicht eine Sekunde lang, im Gegenteil: Es rumpelt ganz gehörig und bringt mit elektronischen Mitteln genau jene Roughness zurück, die man bei der so sehr auf Authentizität bedachten Funk-Interpretation eines Jan Delay zuletzt vermissen konnte. Over the top Elektrorockausbrüche (\\"On The Floor\\") oder Schmuse-Groover (\\"Channel\\") machen das Neo-Prince-Paket schließlich komplett: Auch diese Standards kennt man von jedem Album des großen Vorbilds. Sehr epigonal ist das also, aber eben auch ziemlich großartig. \\"Dos\\" ist wahrlich kein schlechter Entwurf für das Betriebssystem des Rhythmus im 21. Jahrhundert.



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