BEWERTEN
 

Acid Mothers Temple & The Melting Paraiso U.F.O.

Crystal Rainbow Pyramid - LP

[Important / xx / VÖ: 12.07.2007 ]

Text: Joachim Henn

Man könnte es sich einfach machen und sagen: Acid Mothers Temple sind musikalisch gesehen tief in den 70ern des vorigen Jahrhunderts hängen geblieben. Veröffentlichungstechnisch gar noch früher, denn das Output der Japaner ist für heutige Verhältnisse allein schon quantitativ wohl einzigartig. Seit ihrer Gründung vor knapp zwölf Jahren sind - in den verschiedensten Formationen - gut 50 Longplayer, davon etliche Live-Dokumentationen, überwiegend in Kleinauflage auf exotischen Labels von Skandinavien bis Brasilien erschienen. Und die Re-Issues sind hierbei noch gar nicht mitgezählt. So hat sich im Laufe der Jahre ein eigener Kosmos entwickelt, den zu erfassen eigentlich eine schöne Chronistenaufgabe wäre.


Alleine der Überblick über die unterschiedlichen Besetzungen, die entsprechend verschiedene Formationsnamen zur Folge haben, grenzt an die Quadratur des Kreises. Das Medium CD wiederum musste offenbar für die Japaner erfunden werden, denn von Stücken wie \\"Pink Lady Lemonade\\" existieren 45- und 60-minütige Versionen. Die vorliegende Scheibe zeigt Kawabata Makoto, den Mann, der von seiner Gitarre angegriffen wird (wie Carsten Schumacher auf intro.de treffend über ein Gastspiel der AMT in Köln festhielt), wieder in Höchstform.

Das Titelstück ist ein zunächst etwas träge daherkommender 3/8-Takter, fast im Schweinerockstil, der nach kurzem Innehalten den ursprünglichen Rhythmus auflöst, Fahrt aufnimmt, nach knapp zehn Minuten einen harmonischen Aufgang verzeichnet, während sich dann allmählich das rhythmische Geflecht in minimalem Rahmen und einem Strudel von gefühlten sieben Millionen Gitarrentönen und schließlich in einem Echo-Riff verliert, um sich dem kompletten Abheben zu nähern. Die B-Seite der LP-Fassung wiederum, \\"Blues For The Narcotic Kangaroo\\", ebenfalls ein 23-minütiges Opus, mutiert von einem schleppenden Standard mit Saxofonsolo in eine fast schon beruhigte Feedback-Orgie nebst Space-Echos und Obertönen. Damals sagte man Space- oder \\"Krautrock\\" - gemeint waren damit allerdings die Deutschen. Wie nahe auch diese Verbindung liegt, zeigt sich an der mit Guru Gurus Mani Neumeier absolvierten Tour der Japaner (\\"Acid Guru Temple\\") oder an dem an Popol Vuhs \\"Hosianna Mantra\\" angelehnten Soloalbum Makotos, \\"Hosanna Mantra\\". Diese Zuschreibung alleine greift allerdings viel zu kurz, neben dem Psych-Prog-, Cosmic Heavy Rock ist etwa der Aspekt der Klangexperimente zwar mittlerweile etwas in den schöpferischen Hintergrund geraten, reicht aber über die bekannten Ursprünge hinaus und in unterschiedlichste musikalische Gefilde hinein.

Ohnehin sieht Makoto in AMT nicht weniger als ein \\"soul collective\\", ein Refugium für alle, die vom Mainstream ausgeschlossen sind, und in der Cosmic-Inferno-Fraktion finden sich auch (Ex-) Mitglieder von Zeni Geva, Ghost und den Boredoms. Gerüchten zufolge sollen AMT im November wieder Europa besuchen, als Einstieg in ihre wundersame Welt sei derweil auf die 2002 auf Earworm erschienene 3fach-CD \\"Do Whatever You Want, Don't Do Whatever You Don't Want!\\" verwiesen, die einen Querschnitt durch alle Facetten der Acid-Mothers-Temple-Family bietet.



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aus Intro #152 (August 2007)
 
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