BEWERTEN
 

Charlotte Hatherley

»The Deep Blue«

[Little Sister / Vital / VÖ: 18.05.2007 ]

Text: Dana Bönisch

Vorweg muss gesagt werden, dass die Verfasserin dieser Zeilen als bekennender Ash-Fan ein ambivalentes Verhältnis zur Charlotte hat, das sich auf folgende Formel runterkürzen lässt: Als sie plötzlich da war, fand man das doof; als sie plötzlich nach neun Jahren wieder weg war, auch. Der Abschied habe sich angefühlt, als hätte sie drei Männer auf einmal verlassen, sagte sie in einem Interview; dies musste aber wohl sein, um kein Verstärkerfutter-Burn-out zu erleiden. Wahrscheinlich will Charlotte es nicht hören (der alte Ash-Fan umso mehr), aber es scheint fast, als würde „The Deep Blue“ bei aller Rundumschlag-Ambition das PopPunk-Ding nicht ganz loswerden. Rumpelige Sommerhymnen hallen beispielsweise in „I Want You To Know“ wider, wenn auch stark runtergekocht – an manchen Stellen ist es gewissermaßen ein besserer Wheeler-Hit bzw. seine ironisierte Version (Knalleffekt nach der Zeile „Feel like a chinese burn“?). Tatsächlich sind das dann auch die besten Momente dieses Albums. Dem Rest hört man den Respekt vor David Bowie und Kate Bush an; angeblueste Gitarren, Klavier und Geigen künden davon, dass eine gute Musikerin mit vielen Gästen und zu vielen Ideen am Werk war („for complete creative control“ gründete Charlotte lobenswerterweise auch gleich ihr eigenes Label). Nur werden zu viele Ideen leider oft zum Verhängnis; Eichhörnchen können ein Lied davon singen. Auf Charlottes MySpace-Seite steht zudem, ihre Musik klinge wie „Flirtinis on the beach“. Flirtinis? Komische Cocktails, vermutlich. Ich habe Charlotte immer mit Bier in Verbindung gebracht. Vielleicht liegt ungefähr dort das Problem. Wie gesagt: Unbefangen geht anders.




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