The Cinematic Orchestra
»Ma Fleur«
[Ninja Tune / Rough Trade / VÖ: 04.05.2007 ]
Text:
Christian Steinbrink
[28 Kommentare]
Eigentlich schon von Beginn seiner Karriere an genoss Jason Swinscoe mit seinem Dauerprojekt Cinematic Orchestra einen besonderen Status unter denen, die etwas für atmosphärisch warmen und spielerischen NuJazz übrighaben. Cinematic gehörten zu den wenigen Acts, die über jeden Zweifel erhaben waren, die man ausnahm von Manöverkritik am ganzen Genre, die als schwindelresistent galten. Wieso das so war und ist und wieso das seine Berechtigung hat, zeigt „Ma Fleur“, fünf Jahre nach der letzten Albumveröffentlichung, überdeutlich. Denn „Ma Fleur“ birgt Qualitäten, die über die generellen Errungenschaften seines Genres weit hinausgehen. Qualitäten, die fast ausschließlich in der Künstlerpersönlichkeit Swinscoe zu verorten sind. „Ma Fleur“ macht zunächst mal klar, was auch schon „Motion“ von 1999 und „Everyday“ von 2002 erahnen ließen, nämlich, was Swinscoe eben nicht ist. Er ist kein ausgewiesener Soundtüftler, und er ist auch kein begnadeter Arrangeur. Nein, Swinscoes großes Talent liegt in seinem intuitiven Gespür für Stimmungen, für eine differenzierte, aber packende Atmosphäre. Die Mittel seiner Musik sind, gemessen an heutigen Produktionsstandards, äußerst knapp. Swinscoe scheint wenig so zu hassen wie Kitsch, sonst selbst unter Könnern des Genres – z. B. der Washingtoner Thievery Corporation – so etwas wie eine Lieblingssünde. Sein Ansatz ist ein artifizieller, das zeigt auch sein immer wieder vollzogener Bezug auf Bilder und Filme. Ja, auch das neue Album ist, wie schon „Man With A Movie Camera“, als direkter Bezug auf einen Film gedacht gewesen. Und wieder funktioniert die Platte auch für sich selbst genommen vorzüglich. Dementsprechend sind CO längst nicht mehr so rhythmusbezogen wie zu ihrer Anfangszeit, und auch vordergründige Elemente wie Saxofone sind längst nicht mehr so aufdringlich solistisch wie früher. „Ma Fleur“ ist Jazz, ist Ambient, ist dabei aber weniger Beat als jemals zuvor. Dafür ist es mehr Stimme als jemals zuvor. Swinscoe hat mit Lambs Lou Rhodes, Patrick Watson und wieder Fontella Bass drei VokalistInnen für seine Tracks engagiert, die drei verschiedene Generationen von Musik repräsentieren und – jedeR für sich – einen Großteil zur Erhabenheit von „Ma Fleur“ beitragen. Diese Platte ist großartig, sie ist ein Meilenstein, mehr kann ich dazu wirklich nicht sagen.
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Kommentare
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lamb 13.05.2007 | 20:09:43
schreibt
klar, einige werden entsetzt sein. ich hingegen finde das album allerdings auch großartig. passt alles perfekt!
Reverend 13.05.2007 | 21:19:10
war immer aufrichtig
Wunderbare Platte. "To Build A Home" ist Wahnsinn.
heckenpenner_rot 13.05.2007 | 21:31:15
ich sage nur "dauerrepeat" ...
Faun 14.05.2007 | 18:10:15
Ja,Ja,ja,alles was der Swinscoe anpackt wird zu Gold !
Gibt übrigens ein wunderschön limitiertes scheißteures Doppelvinyl ; )
victorward 14.05.2007 | 20:30:14
Ein wunderbares Popalbum, welches mich irgendwie an die guten Zeiten von 4Hero erinnert
Legoland 14.05.2007 | 23:43:14
Legolize it!
4hero???
was hast du denn gegessen???
ninjatuner 15.05.2007 | 00:09:07
indie landfill
mich erinnerts an coldplay...
die größte enttäuschung der letzten jahre für mich.
Schlüter Zwei 15.05.2007 | 00:58:12
Coldplay ist das höchstens die ersten 15 Sekunden lang. Und für 15 Sekunden sind auch Coldplay völlig ok.
Reverend 15.05.2007 | 07:31:22
war immer aufrichtig
Mich erinnerts teilweise eher an die großen Momente von Massive Attack.
xdevx 15.05.2007 | 19:50:46
Die britischen The Cinematic Orchestra veröffentlichen eine Kracherplatte nach der anderen. Obwohl CD’s wie “Motion”, “Every Day” und die überragende “Man with a Movie Camera” niemals über den Geheimtipstatus hinauskamen, würde es Jason Swinscoe, Mastermind hinter dem klangvollem Bandnamen zweifelsohne verdienen von einer breiteren Masse gehört und geliebt zu werden...
mehr auf gibt's morgen auf: www.xdevx.owrdpress.com
xdevx 15.05.2007 | 19:51:34
...kann man seine posts nicht editieren?
der richtige link lautet: xdevx.wordpress.com
buenaventura 15.05.2007 | 20:00:36
hashomer
oh, ich kann's kaum erwarten bis morgen. bei so einer geistreich geheimnisvollen einleitung gehe ich morgen direkt auf xdevx.wordpress.com - zweifelsohne.
Legoland 17.05.2007 | 18:04:50
Legolize it!
das ist wirklich gemein, cinematic orchstra mit dings und bums zu vergleichen, denn die stimmen sind soul und die texte sind aus einer anderen poetischen situation entstanden. die streicher wissen mehr um zeitgenössische e-musiken (arvo pärt, szymanowsky), als um so popkacke. ich gebe zu, die traurigkeit ist manchmal mit einem dicken hauch zuckerschleim versehen, aber- den findet man auch bei tindersticks oder wainwright.
Reverend 17.05.2007 | 18:46:59
war immer aufrichtig
Uuuups...schon wieder Vergleiche!
Gandalf 17.05.2007 | 19:10:37
Graue Eminenz
sehr schön, im gegensatz zu herrn wigger hab ich aber keine 99 stücke auf der cd. diese LP mit dem Buh sa auch schick aus, aber 30€ sassen einfach nicht drin
Reverend 17.05.2007 | 19:14:56
war immer aufrichtig
99 Stücke? Ist das ein neuer Kopierschutz-Promo-Cd-Trick?
Gandalf 17.05.2007 | 19:17:16
Graue Eminenz
keine ahnung. scheint so zu sein. wiggerlobte es als tolle innovation um skippen zu verhindern, aber bei mir gibts das nicht
nick name 17.05.2007 | 20:25:04
Nix für ungut, aber...
"To Build A Home" ist Wahnsinn, ja. danach wirds beliebig
buenaventura 18.05.2007 | 08:56:33
hashomer
nein.
victorward 18.05.2007 | 09:17:28
Das Promo beinhaltet auf dem Cover sogar eine Umrechnungstabelle:
1 = 1
2 = 8
3 = 13
4 = 18
5 = 23
usw.
ninjatuner 19.05.2007 | 00:40:13
indie landfill
die reminiszenzen an coldplay auf dem album gehen länger als 15 sekunden, allerdings auch die an everyday oder sogar arvo pärt, da stimm ich zu oder sogar philip glass. nach langer beschäftigung mit diesem album, kann ich ihm doch einiges gutes abgewinnen, wobei mir reine instrumental-tracks wieder lieber gewesen wären, dann würde es denke ich besser "fließen" und die instrumental-passagen mag ich eh am liebsten. außer "breathe" mit fonetella bass, daran mag ich alles.
vielleicht war ich anfangs so enttäuscht weil ich wieder was wie "channel one suite" erwartet hatte.. aber vielleicht wär mir das album auch schnell langweilig geworden, wenn es wieder genau den erwartungen entsprochen hätte.. wenn ich was in der richtung hören will, dann gibt es ja noch die alten alben (motion wird trotzdem immer mein favorit bleiben) oder ich hör lalo schifrin oder so (womit wir *wieder* bei vergleichen wären...)
Legoland 19.05.2007 | 16:44:06
Legolize it!
naja. vergleiche sind eben tatsächlich nur krücken, aber bevor man ohne sie auf die schnauze fällt ...
den wunsch nach mehr instrumental kann ich allerdings gut verstehen. mein wunsch in diesem zusammenhang wäre tatsächlich mehr vocals wie auf dem von dir genannten "breathe".
UweB 16.07.2007 | 14:33:16
Gute Kritik zu einem wundervollen Album.
Mit solcherart Kritik kann man etwas anfangen, da sie die Stimmung des Albums gut wieder gibt - im Gegensatz zu den meisten Intro-Kritiken GEGEN Madonna; da liest man nur, wie jemand durch die Hintertür Madonna ans Bein pinkeln will.
So eine Kritik, auch mit negativen Aspekten, hätte ich auch gerne zum nächsten Madonna Album.
lise 19.02.2008 | 09:52:59
war früher lustiger
ich habe zum geburtstag diese doppel vinyl geschenkt bekommen und bin eines der glücklichsten mädchen jetzt. wunderschön, morgens, mittags, abends.
und wenn es draussen regnet, nimmt man sich einfach diese bildchen, setzt sich aufs bett und guckt die an.
gesichtsporsche 20.02.2008 | 17:49:23
it´s o.k. to henning around
ich finde die "motion" immernoch wondörfül und muss mir diese auch nochmal dringend koofen. vinyl lohnt wohl anscheinend.
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