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Diverse

»Tanzen Mit Venker & Tomsche«

Text: Thomas Venker, Markus Tomsche

Tobias Thomas – Please, Please, Please
Kompakt
&
Optimo – Walkabout
Endless Flight / Kompakt
&
Karl Lagerfeld – My Favourite Songs
Tolerance / Intergroove
&
DJ Dixon – Body Language Vol. 4
Get Physical / Intergroove
&
JDH & Dave P – Go Commando
Defend Music / Rough Trade
&
Loco Dice – Time Warp Seven
Time Warp





Beginnen wir doch mit der schönsten Compilation des Monats: “Please Please Please”. Wie alles, was Tobias Thomas macht, mit viel Liebe und Gedanken angelegt, nicht einfach nur ein Mix (der dritte von ihm übrigens nach “Für dich” und “Smallville”), sondern ein sozialer Entwurf, der von Sehnsüchten und Begierden erzählt, von den Momenten, in denen man die Haftung verliert, frei ist – und damit auch der Gefahr des Absturzes ausgesetzt. Aber wer das Risiko scheut, der wurde noch nie belohnt. Teilen kann man diesen behutsam gespannten Soundbogen u. a. mit International Pony, Pantha Du Prince, Ricardo Villalobos, Ada und Morrissey – und auch zwei eigene Stücke hat Tobias eingebracht: seine Kooperation mit Burger für “My Favourite Dress” und sein mit Geiger produzierter Remix zu Stellas Fleetwood-Mac-Coverversion “Dreams”. Optimo kennt man als die erdigere Single-Malt-Version der 2manydj’s. Das Duo aus Glasgow spielt Woche für Woche den gleichen Stiefel runter wie alle anderen im DJ-Zirkus – womit die Städte gemeint sind, denn stilistisch wissen die beiden eine eigene Note zu setzen mit ihrer hedonistischen Vision von Clubkultur, schön schweißig und rotzig, aber auch hier und da poppig. Das zeigt sich auch auf dieser für das neue Mule-Sublabel Endless Flight (was ein dämlicher Name) vorgelegte Mix-CD von Anfang an – wo sonst wird man mit Throbbing Gristle, Grunderman und Pan Sonic reingeholt? Überhaupt schön, dass mal jemand auch ältere Tracks ausgräbt. Des Weiteren im Mix: Herbert, Black Dice, Thomas Brinkmann, Suicide, Like A Tim. Machen wir es kurz: super.

Das Konzept, dass Bands ihre Lieblingsstücke kompilieren, oder auch mixen, hat sich ja in den letzten Jahren durchgesetzt. Warum also nicht auch andere Popcharaktere zum Crossmarketing einladen? Karl Lagerfeld kennt man ja als holztrockenen Modedesigner, der Spaßentzug und Kalorienminimalismus predigt, allerdings erst, seitdem er altersbedingt mehr Schlaf braucht und wohl abnehmen musste, um noch was abzukriegen. Nee, ehrlich, wer dem Wahn zu dünnen Models noch zuspricht, der kriegt bei uns kein liebes Wort ab – da kann er einen noch so sophisticateden Musikgeschmack haben (reicht von Devendra Banhart bis Kreidler und tangiert dabei mit Joakim avantgardistischen Frenchsound, den Pipettes Sixties-Pop, Lindstrøm & Prins Thomas – so sie denn auf dem Cover richtig geschrieben wären – den psychedelischen House und so weiter und so fort). Erscheint übrigens auf einem Label namens Tolerance, auch das schon wieder so aufgeladen auf sympathisch getrimmt, dass es nur noch scheiße kommt.

Next up: DJ Dixon, einer von Berlins Finest derzeit und mit seinem discoiden, deepen Housesound, für den er von 70er-Jahre-Legende Larry Heard über Thom Yorke und Tracy Thorn bis zum Großraumdiscosound von Timo Maas alle reinnimmt, die seinem Mix zuträglich sind, abseits falscher Genrebefindlichkeiten genau der Richtige für die vierte Auflage der erfolgreichen Get-Physical-Mix-Reihe. Dixon weiß, dass für einen guten Mix nur das Endergebnis zählt, da ist er sich einig mit seinem Buddy Henrik Schwarz (der deswegen auch gleich mit drei Stücken vertreten ist: neben einem eigenen mit zwei Remixen). Puh, wer soll eigentlich all die Mix-CDs kaufen? Geht das Segment wirklich noch? Eigentlich müsste man doch meinen, es würde als Erstes von der Download/Brennkiste aufgefressen werden – man hört ja auch immer, dass die “Bravo Hits” nicht mehr so gut verkaufen wie früher. Nun denn, die Qualität ist da, also soll sie auch kundgetan werden.

JDH und Dave P kenn ich nicht und rate ihnen auch zu neuen Künstlernamen, wenn es denn zwingend derer welche sein sollen, aber die ausgewählten Tracks passen schon: u. a. Joakim, Dirt Crew, The Knife, Ellen Allien & Apparat, Mr Oizo, Rekid, Vitalic und Gui Boratto – und Prins Thomas wird auch richtig geschrieben. Zum Schluss wiederum eine markante Compilation: Loco Dice durfte nach Leuten wie Adam Beyer, DJ Hell und Tiefschwarz die aktuellste Ausgabe der Time-Warp-Reihe mixen, also der Compilation zum unglaublich erfolgreichen Mannheimer Ravemonster. Wer es nicht weiß: Der Tunesier ist im Deep und Minimal House zu Hause, und so einfühlsam die Genres, so dezidiert gefühlvoll auch seine Idee des Mixes. Es geht ihm nicht um das Abfeuern von Hits, also um die Bedürfnisse des Clubs, sondern um die universelle Hörmöglichkeit: Auto, Bett, Sofa, Lounge – ihr kennt die Orte. Und so tastet sich der Mix der ersten CD langsam und stimmungsvoll heran, das zeigt sich auch schon an der Auswahl, die beispielsweise Terre Thaemlitz, Serafin und Suburban Knights verknüpft. Die zweite CD geht er dann etwas energischer an, u. a. mit Baby Ford & Benno Blome, Plastikman, Abe Duque und seinem eigenen Remix für Kevin Saundersons “Bassline”.



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aus Intro #148 (April 2007)
 
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