BEWERTEN
 

Sex In Dallas & Biladoll

»Perpetual Emotion Maschine«

[Recordmakers / Al!ve / VÖ: 06.04.2007 ]

Text: Roland Wilhelm

Eine neue Platte hat den Electro-Slackern Sex In Dallas nach ihrer Umbesetzung wohl nicht gereicht, es musste gleich ein neues Leben sein. Denn vielleicht ist Pariser Provenienz im Zuge der allgemeinen weltpolitischen “awareness” einfach nicht mehr exotisch genug, um sich im digitalen Underground zu profilieren – EdBanger-Hype hin oder her. Der Legende (d. h. dem Promozettel) nach sind die drei Musiker jedenfalls der separatistischen Bewegung des Staates Texas entsprungen und über den großen Teich gegangen, um den Häschern des FBI zu entgehen (Vorwurf: terroristische Aktivitäten gegen die USA) und um in der “capital of the world”, der Spielwiese Berlin, fortan in der elektronischen Musik als Feld der zeitgenössischen Kunst zu wirken. Nun gut, immerhin heißt ihre Promotion-Agentur “FakePR”, und das vorliegende Album auf dem französischen Hipster-Label Recordmakers bietet sicherlich genug Ansätze, um es in ein ideelles Konstrukt jeglicher Art einzubetten, sei es auch ein (welt-) politisches. Denn noch mehr als die erste, überaus erfolgreiche Platte namens “Around The War” ist die neue sehr atmosphärisch, in sich gekehrt und – genau wie der Infotext – etwas rätselhaft geworden. Nachdem man zunächst in einer aus der Erinnerung an die plakativen Hits der ersten Platte resultierenden Erwartungshaltung versucht ist, “Perpetual Emotion Maschine” als eigentlich recht misslungene House-Platte abzutun, da man kaum einen zwingenden Club-Track oder ein Stück, dem man das Attribut “catchy” zuordnen könnte, entdecken kann, stellt sich nach wiederholtem Hören mehr und mehr ein Gefühl für den eigenwilligen, deepen Sound und die Idee dahinter ein. Den Sound bestimmen dabei vor allem Kraut-Elektronik, House mit warmen Arpeggiatur-Lines und frickeliger Digital-Funk – und die Idee: Nun, leider kann man nur erahnen, welche Träume eines Lebens, das die Nacht zum Tage macht, in den Titeln “Spanish Tears Are Made Of Gold” oder “Mes Nuits Sont Fragiles” in gebrochenem Englisch vertont werden und nach welchen Gefühlen einer “Perpetual Emotion Maschine” sich die Band hier sehnt – aber man möchte sich gerne mit ihnen sehnen.




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