Håkan Lidbo
»Dunka Dunka«
Text:
Heiko Gogolin
Mein lieber Scholli, was geht hier ab? Håkan Lidbo, der schwedische Vielproduzent mit gefühlten 1000 Maxis auf dem Buckel, will es scheinbar noch einmal so richtig wissen und bändelt mit den Berliner Shitkickern von Musick an. Und haut an seinem Rechner rund ein Dutzend meschuggene Tracks raus: “Dunka Dunka” ist dunkel vor sich hin steppender Techno mit verzerrten Disco-Basslinien. Manchmal präzise, manchmal hibbelig, aber immer böse. Meistens baut sich ein Rauschen, Zerren und Zurren, garniert von diabolischen Sprachfetzen Suspense, auf, bis Lidbo eine Rave-Fanfare rausholt, die keine Fragen mehr offen lässt. Das klappt besonders fulminant bei “Peepoo” oder der ersten Maxi “Call For Islam”. Letztere überzeugt zudem durch eine verschmitzte Billig-HiHat, die Lidbo mit all seiner Erfahrung im Moment der maximalsten Effizienz droppt. Das sorgt für Stimmung, ja, da kommt Freude auf. Ähnlich wie ein anderer Vielproduzierer, John Dahlbäck mit seinem neulich auf Kompakt erschienenen Hug-Album, setzt Lidbo so auf Rohheit statt auf ausgefeiltes Sound-Design: Sämtliche Tracks dürften zwar relativ schnell runterproduziert worden sein, aber dieser Spaß durch Spontaneität steht einer Szene, die mit Gleichförmigkeit zu kämpfen hat, sehr gut zu Gesicht. Ähnlich wie im Falle von Hug handelt es sich hier eher um eine Kollektion von Dancefloor-Stücken als um ein vollwertiges Artist-Album. Wir hätten gerne noch mehr Tracks im Stile des manischen Techno-Electronica-Bastards “This Looks Infected, Doesn’t It?” gehört. Und manche Tracks wie “Baksug” oder “Raversnation” insistieren derartig auf ihre Hookline, dass es an Penetranz grenzt. “Dunka Dunka” genießt man also am besten in Maßen. Spricht das gegen die Musik? Keineswegs. Auf die nächsten 1000 Platten, Håkan!
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