Good Shoes
»Think Before You Speak«
[Brille / Labels / Emi / VÖ: 23.03.2007 ]
Text:
Daniel Koch
Mein erster Live-Kontakt mit den Good Shoes war schrecklich. Sie spielten im Carling Tent auf dem Reading Festival. War eigentlich nur auf der Durchreise, nur mal kurz schauen, ob was Gutes läuft. Das Zelt platzte aus allen Nähten. Hunderte Kiddies, Durchschnittsalter 14, drängelten vor die Bühne. Und ich dachte: Wow, da passiert gleich was Spannendes. Tja, dann kamen die Good Shoes. Poppige Gitarren meistens, hin und wieder ein Punkausbruch, der Gesang beschissen gemixt – alles toll auf Hüftschwingen gezimmert. Aber: Wiedererkennungswert gleich null, plus erhöhter Rip-off-Alarm. Ich fand’s mittelscheiße bis langweilig. Heute – ein Album und ein Interview später – seh ich die Sache ein wenig anders. Ich mach jetzt hier nicht den Wendehals und schmettere die Jubelhymne. Aber ich weiß nun, was man an den Good Shoes finden kann. Entscheidende Rettungsfaktoren sind für mich der Gesang von Rhys Jones und die Songtexte, die er so vorträgt. “Morden”, der Abgesang auf die Vorstadt-Heimat, ist von der ersten bis zur letzten Zeile ein Gedicht, wenn auch ein düsteres. Die Single “Never Meant To Hurt You” dagegen ist ein verschmitztes Zeugnis pubertierender Gefühlsverwirrung. “Do you ever like you’ve been lying from the start. I do! [...] I never knew you where so insecure. You never knew that I was too.” Kein Wunder, dass sich da viele verstanden fühlen, die noch in dem Alter sind, in dem man oft eine Beziehung beendet, bevor man den Partner zu verstehen beginnt. Die Musik der Good Shoes klingt für mich zwar immer noch ein wenig nach Maximo Park light, aber man kann das ja auch netter formulieren und sagen: Sie klingen wie eine poppige (und akzentfreie) Variante der Herren aus Newcastle upon Tyne. Versteht mich nicht falsch: “Think Before You Speak” ist ein solides Debüt, reich an Hits, gut durchhörbar, manchmal witzig, manchmal naiv, manchmal jugendlich altklug. So ganz haben sie mich dennoch nicht gekriegt, aber ich hab mir fest vorgenommen, sie mir in diesem Jahr noch mal live anzuschauen. Und das hätte ich letztes Jahr im August auf dem Reading beim besten Willen nicht gedacht.
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