Cut City
»Exit Decades«
[GSL / Cargo / VÖ: 16.02.2007 ]
Text:
Felix Scharlau
Ein wenig unerwartet und mit Zäsurcharakter ausgestattet kam mit dem Durchbruch von Interpol 2002 auch britischer New Wave zurück. Und eigentlich hätte sich in der Folge eine wahre Schwemme vornehmlich langweiliger Bands gleichen Stils ergeben müssen, die fast ungebrochen dem Geist von etwa Joy Division nacheifern. So wie das vage Label “Garage-Rock” nach The Strokes oder The White Stripes ja auch vieles massiv beeinflusste. Wäre auch vollkommen legitim gewesen, hat es aber bei Neo-New-Nave in Wahrheit nicht, wenn man mit etwas Abstand drüber nachdenkt. Klar: Editors, The Organ oder vielleicht noch She Wants Revenge fielen seitdem durch einen ähnlichen (und ebenfalls sehr ansprechenden) Eklektizismus auf. Das große Ausweiden eines altbacken-frischen Trends gab es aber auf breiter internationaler Nachwuchsband-Ebene so nicht. Das dürfte ein zentraler Grund dafür sein, warum die Schweden Cut City 2007 ein Album voller Joy-Division-Klangfarben herausbringen können und von uns aus gerne anstatt mit Gähnen mit Props bedacht werden. Bestimmt nicht aus Prinzip, sondern, weil dieses Album einfach sehr zu gefallen weiß. Vielleicht liegt es auch daran, dass Cut City noch viel deutlicher als Interpol eine dezidierte 90er-Indiesozialisation mitprägt, die ihren Pathos nie nur nach Secondhand-Patina, sondern auch nach agiler Underground-Autonomenzentrumssoße klingen lässt, die eben auch Post-Hardcore verinnerlicht hat. Und diese Aufbruchstimmung tröstet über das Phlegma von 80er-New-Wave mehr als hinweg.
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