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Bright Eyes

»Cassadaga«

[Polydor / Universal / VÖ: 30.09.2007 ]

Text: linus volkmann

Conor Oberst und seine Kunst stehen ja als Inbegriff für überbordende Kreativität bei gleichzeitiger Massentauglichkeit. Und das ist beileibe kein Etikett aus der Ramschkiste, das befindet sich eher auf einer Linie mit Indie-Bambi und Alternative-Grammy. Seinen Genius hatte Conor 2005 mit den zwei zeitgleichen Alben unterschiedlichster Soundästhetiken (“I’m Wide Awake It’s Morning” und “Digital Ash In A Digital Urn”) ja episch ausgeschöpft. Spannend die Frage, mit welchem Entwurf es nun weitergehen würde. Das vokallastige Unwort “Cassadaga” gibt eine klare Antwort, Conor macht weiter mit traditionell angelegten Songs und wird nicht via Laptop zum Martin L. Gore des elektronischen Emo-Folk. Die damit einhergehende Fokussierung limitiert ihn dabei wenig. Vielmehr schafft es “Cassadaga” auf 13 Songs, die alle (bis auf einen) die Längevorgabe des klassischen Radioformats weit sprengen. Conor hatte Zeit, das hört man. Kauzige bis stimmungsvolle Intros sind ihm genauso wichtig wie ein echter Bandsound – also bloß ohne Band. Was so viel heißen soll, dass wahnsinnig viel Sorgfalt und Konzentration in die Studio-Arbeit und das Song-Arrangement ging. Und so klingen die Stücke nicht wie aus einem Guss, sondern jedes anders, weil jedem auch eine mitunter komplett andere Instrumentierung zugrunde liegt. Mal begleiten nur Hillbilly-Gitarren, mal einzelne Streicher, mal wurde das ganze theatralische Orchester gebucht. Als Konstante schält sich in dieser ideenreichen Üppigkeit nach und nach nur ein gewisser Country-Appeal raus. Den kennt man schon von früheren Alben, aber in dieser Grundierung und Betonung kann man ihn getrost als sinnstiftend titulieren. Country-Slide-Guitar und Orchester? Genau, da darf man auch ruhig mal an “Cowboy Dreams” von Prefab Sprout denken, ohne falsch zu liegen. Country wird ja gern mal als “der Blues des weißen Mannes” bezeichnet. Und davon ist das wunderbar ungroovige “Cassadaga” nicht wirklich weit entfernt. Nicht-urbaner, genialischer, weißer Indie-Blues. Erneut ein Hit-Album.




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