Apostle Of Hustle
»National Anthems Of Nowhere«
[Arts & Crafts / City Slang / Rough Trade / VÖ: 30.09.2007 ]
Text:
Matthias Manthe
[7 Kommentare]
Ein Sonntagvormittag im März: Kein Wölkchen wagt sich ins Sichtfeld, stattdessen die dicke Nachbarin von gegenüber auf den Balkon. Weil ja das Grünzeug fürs Frühjahr hergerichtet werden muss. Die Vögel zwitschern, die Bäume schlagen aus, sogar schon etwas Sonne vor Ort. Um der ganzen Bilderbuchszenerie die Krone aufzutun, läuft gerade die Zweite vom Apostle Of Hustle Andrew Whiteman. Wow, mit so viel Lenz-Destillat wie auch Latin-Flair hatte wohl niemand gerechnet, nachdem der Broken-Social-Scene-Führgitarrist vor zwei Jahren Schlagzeilen für experimentelle Postfolk-Tagträumereien geerntet hatte. Diesmal nahmen sich der unter Castro geborene Arrangeur und seine zwei Mitmusiker aber die Zeit, ihren Jazz-induzierten Kopfgeburten das Laufen beizubringen. Denn “National Anthems Of Nowhere” strotzt vor verhältnismäßiger Kompaktheit und Songformat. An allen Ecken hilft Whitemans Toronto-Buddy Daniel Stone mit Conga-Trommelfeuern nicht nur aus, sondern prägt die Stücke mehr denn je. Gesang und (Tres-) Gitarrenspiel bilden eine einnehmende, kaum durchschaubare Einheit. Darin feiern countryeske Trompeten das Leben, Flamenco-Motive die Kindheit und bockige Saitenwerkzeuge den Triumph, wenn sie sich mitunter mal richtig selbstständig machen dürfen. Ohne Sinn und Sinnlichkeit in die Verbannung zu schicken, halten beizeiten auflodernde, dämmerig gehaltene Versuchsanordnungen (“The Naked And Alone”) das intellektuelle Moment aufrecht. Das Titelstück etwa darf die 5-Minuten-Mauer durchbrechen, weil es zugleich das Unterfangen KK-Pop (Kanada/Kuba) am konsequentesten predigt. Hier scheint eine clevere Sonne. Besser geht’s doch kaum.
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Gandalf 26.04.2007 | 09:40:24
Graue Eminenz
ganz grossartige platte. besser als die erste oder das collet soloalbum
Schlüter Zwei 26.04.2007 | 21:00:35
sehe ich genauso.
ösel 26.04.2007 | 21:18:37
Polterkowski & Söhne
Besser als die erste? Ist das nicht sehr, sehr schwierig, das zu leisten?
emoinferno 27.04.2007 | 08:59:52
mir gefällt "national anthems of nowhere" mittlerweile auch besser als "folkloric feel". erstere ist auf jeden fall eingängiger.
cacaphony 02.06.2007 | 12:43:14
Jacke wir Hose, welches Album besser ist. Beide sind einfach großartig, eben so wie die meisten Arts & Crafts-Produktionen. Auf "National Anthem" sind mehr Pop-Songs als auf dem ersten - das ist aber eine völlig wertfreie Feststellung, wie ich meine.
INTRO hat versäumt die Tour-Dates zu veröffentlichen! Das ist schon sehr schwach: www.arts-crafts.ca
Man Called Sun 02.06.2007 | 13:19:28
HammerFreuJauchz: Bin Dienstag (kurzfristig) in Hamburg und kann mir die mal wieder angucken! Thanks cacaphony :-)
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