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The Ones

»The Ones«

[A Touch Of Class / Cargo / VÖ: 23.03.2007 ]

Text: Sebastian Ingenhoff

Wer dieser Tage aus dem Fenster guckt, sieht wahrlich eine traurige Welt. Der Himmel ist wolkenverhangen und schwarz wie tanzende Hexen. Die Leute auf der Straße sehen aus, als wäre ihnen ein LKW vor das Gesicht gefahren. Kein Geld. Keine Arbeit. Kein Zuhause. Wie begegnet man als Künstler einer solchen Welt? Mit Verzweiflung, Rückzug in einen Solipsismus, wie ihn viele Songwriter seit Dekaden betreiben? Oder doch lieber mit einer Ironisierung der bestehenden Verhältnisse? Also mit Humor und albernen Kostümen. Vor kurzem las ich in einem kleinen Heftchen einen Artikel über Bruce Springsteen. Der Autor zerbrach letztendlich an jener berühmten Aporie, wer denn jetzt recht habe: Springsteen oder doch die Sparks. Er wusste es nicht und lebt seitdem als depressiver Trinker und Kneipenphilosoph in Kölns berühmtester Absteige Sixpack direkt neben der Theke. Noch vor drei Monaten hätte ich laut aufgeschrien: “Die Sparks, natürlich!”, und alle Andersdenkenden wütend abgewatscht: “Wir müssen wieder mehr zum Schießen aussehen!” Aber ehrlich gesagt, hundertprozentig sicher bin ich mir auch nicht mehr.


Die New Yorker Discoband The Ones hätte mich eigentlich in meinen Ansichten bestärken müssen. Auch sie folgen jenem Trend, den ich die “Re-Karnevalisierung der Popmusik” taufen möchte. Nach diversen Singleerfolgen erscheint nun ihr Debütalbum, welches auch zu einem Großteil aus bereits veröffentlichten Singles und den dazugehörigen Remixen (auf einer Extra-CD) besteht. Mit “Flawless” hatten sie ja bereits einen kleinen Hit. Erschienen ist “The Ones” auf dem legendären A-Touch-Of-Class-Label, welches bereits die Scissor Sisters groß gemacht hat. Und so weit weg von den Scissor Sisters ist das hier gar nicht: weder vom Outfit noch von der Musik. Zumindest nicht von den Scissor Sisters auf dem ersten Album. Einen Remix haben die Kollegen sogar extra beigesteuert. Ein anderer kommt von The Rapture. Nimmt man diese beiden Bands mal als Eckpfeiler, dann lässt sich ungefähr erahnen, was für Musik The Ones machen. Pfiffiger Discohouse mit Kuhglocken und Vocoder-Gesang. Giorgio Moroder lässt sich als Einfluss zweifelsfrei ausmachen. Die Stücke sind sehr gut produziert, haben diese trockene Bassdrum, die dich leichten Fußes nach vorne treibt. Die Jungs sind bunt angezogen und erlauben sich einen Jux mit der Welt. Die Platte ist wirklich gut. Aber haben sie damit auch recht?Springsteen oder die Sparks? Herrje. Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung. Ich habe soeben beschlossen, fortan in einer Tonne zu leben.



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