Modest Mouse
»We Were Dead Before The Ship Even Sank«
[Epic / Red Ink / Rough Trade / VÖ: 30.03.2007 ]
Text:
Christian Steinbrink
[3 Kommentare]
In musikalischer Hinsicht war es wohl die Nachricht des Jahres 2006: Johnny Marr steigt bei Modest Mouse ein. The Best of both Worlds crushing together gewissermaßen, ein prominenter, Genre und Kontinente kreuzender Besetzungswechsel, ein Zusammenschluss von Helden. So, wie es hier steht, klingt das sehr erregend, und so war es wenigstens für mich auch. Es drängte sich die Frage auf, wie das wohl klingen würde. Und blieb lange unbeantwortet. Jetzt kristallisiert sich langsam eine Antwort aus den Tracks des neuen Albums, und die lautet: sehr gut, aber nicht besonders anders als Modest Mouse zuvor. Man meint, bei einigen Gitarreneinwürfen Marr heraushören zu können, diese könnten aber genauso gut von Isaac Brock stammen. Eine verblüffende Erkenntnis: The Smiths und Modest Mouse sind sich nicht völlig unähnlich. Hatte ich vorher gar nicht gewusst. Dafür konkretisiert sich bei mir aber eine andere Ahnung, die mit einem hartnäckigen Mythos über Modest Mouse in der Rezeption der letzten Jahre aufräumen wird: Es sind nämlich gar nicht die viel beschworenen außergewöhnlichen Songwriter-Qualitäten, die Modest Mouse so bedeutsam machten und machen. Natürlich sind die auch da, führen aber heute wie früher nicht zu wahren Ohrwurmhits. So ist “Dashboard”, obschon die Single, eigentlich keine Single, höchstens “Florida” erfüllt die Kriterien. Nein, die größte Qualität von Modest Mouse ist ihre widerständige, verschleppte und gebrochene Dynamik. Ihre immer wieder einen Hauch zu spät kommende Taktzahl drei, ihr behindertes und variables Tempo, das unzählige Plattenspielerbesitzer alle paar Minuten aufspringen und verunsichert am Pitcher schieben ließ. Die Dynamik Arcade Fires wurde beispielsweise ganz entscheidend von Modest Mouse beeinflusst, genauso wie die einiger anderer Vertreter des zeitgenössischen populären Postpunks.
Aber um wieder auf den Gegenstand dieser Kritik zu kommen: Das neue Album von Modest Mouse unterscheidet sich nur wenig von seinen jüngeren Vorgängern. Es ist dabei aber kein bisschen langweilig. Denn eine andere Qualität der Band war schon immer die, so reich, variabel und substanziell zu klingen wie sonst nur wenige. Auch durch die oft quäkige, abgehackte Stimme von Isaac Brock, die gewohnt gut zur Musik seiner Band passt. Es ist halt keine eingängige Popmusik, die Modest Mouse charakterisiert. Es ist die wunderbare weite Welt der vertrackten Rockmusik, deren Grenzen die Band wie sonst kaum eine andere ausgelotet hat. Eine Welt, deren Entdeckung Zeit braucht. Sie hat die Männer aus Portland trotzdem zu Megasellern in ihrer Heimat gemacht, zu Goldeseln ihres Majorlabels und doch immer noch crediblen Figuren des Undergrounds. Sie könnte sie auch zu Stars des alten Kontinents machen, wenn die Band irgendwann mal ihre Bequemlichkeit aufgeben und sich auch hierzulande etwas mehr engagieren würde. Aber das wird sie nicht tun, und auch dafür lieben wir sie. Modest Mouse sind und bleiben die Hobos aus der Provinz des amerikanischen Nordwestens, und Johnny Marr ist bloß kurzerhand eingemeindet worden. Er ist zum Hobo geworden und hat das unglaubliche Talent dieser Trucker-Lookalikes komplettiert.
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BadBrain 28.03.2007 | 13:30:43
zack! regierung gestürzt.
Also wenn ich ehrlich bin, war ich von einer Platte schon lange nicht mehr so enttäuscht.
Klar, die Single ist ein netter Popsong, die meisten anderen Songs haben die eine oder andere nette Idee - aber das hier soll immer noch Modest Mouse sein. Und das ist für mich, vertrackter quietschender Spastic Rock mit epischen Auswüchsen ("teeth like gods shoeshine" ist einer meiner 10 lieblingssongs) und schier unendlich vielen Ideen pro Song. Was hier aber passiert ist, erinnert mich eher an belanglose und leere Collgege-Rock-ausflüge in den Mainstream. Besondere Ärgernisse sind für mich dieses Gedudel mit James Mercer und der Song "fire it up".
Einzig über die Stimme von Isaack Brock wird auf dieser Platte noch versucht kantig zu sein (mit den Texten habe ich mich zugegeben noch nicht beschäftigt). Konnte man dem Vorgänger noch Abwechslungsreichtum bescheinigen, fehlt es hier zur Gänze. "Klar, ist ja auch irgendwie ein Konzeptalbum über Boote und so, das muss ja auch stringent sein!", wird man jetzt sagen können, aber wenn ihr mich fragt: this boat obviously sank!
p.s. natürlich will ich das selbst noch nicht wahr haben und gebe der Platte bestimmt noch viele viele chancen.
swiss_slacker 31.03.2007 | 00:47:09
Popsau & Chüngelzüchter
also ich find sie nach mehrmaligem hören immer besser und besser. ist das eigentlich jetzt isaac oder johnny der diese janglige gitarre spielt. eigentlich würde es ja zu letzterem mehr passen, aber trotzdem klingts mehr nach isaac. anyway, bis auf 2-3 mittelmässige songs super album!
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