BEWERTEN
 

E Jugend

»Last Exit Wedding«

[Taping Desk O-Phon / Hausmusik]

Text: Martin Büsser

Die Hochzeit als Notausgang und Abstellgleis. „Last Exit Wedding“: Schöner LP-Titel für eine instrumentale LP in DIY-Manier, der klarmacht, dass diese Musik (auch) politisch gelesen resp. gehört werden will: Als Soundtrack für alle, die nicht im Reihenhaus enden wollen und daher Musik bevorzugen, mit der man im Reihenhaus sehr schnell Ärger mit den Nachbarn (oder der eigenen Familie) bekommen würde. E Jugend, Ableger der großartigen Ma Cherie For Painting, spielen allerdings keine „andere“, keine experimentelle Musik um des Experiments willen, wollen wohl auch überhaupt nicht verstören, irritieren oder als besonders schräg auftrumpfen, im Gegenteil: Alles an diesem hybriden Kraut-Post-Electro-Psych hört sich wunderbar wohlig an, ist ein einziger Plasma-Strudel der Behaglichkeit, der die experimentellen, am Mutterleib orientierten Wohlwelten der frühen Siebziger akustisch herbeizitiert. In der undogmatischen Tradition eines Jim O’Rourke, der kein Problem damit hat(te), an La Monte Young orientierte Drones und den Countryfolk eines John Fahey auf ein und dieselbe Platte zu packen, zitieren und verquicken E Jugend alles nur Denkbare, sofern es – und da beweisen sie Gespür – im psychedelischen Sinne auch zusammenpasst. Alles fügt sich, blubbert, driftet wohlig dahin und bleibt doch trotz hohem Wohlfühl-Faktor immer auch ein Faustschlag gegen die Möglichkeit, Musik könne oder solle bloß funktional und unterhaltsam sein. Das Beste, was die deutsche DIY-Szene seit diversen Notwist-Ablegern in den Mittneunzigern hervorgebracht hat.




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aus Intro #147 (März 2007)
 
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