BEWERTEN
 

Lady Sovereign

»Public Warning«

[Def Jam / Universal / VÖ: 30.03.2007 ]

Text: Sandra Brosi

Oh, danke! Der Auftakt-Track von Lady Sovereigns Debütplatte gibt endlich mal die Möglichkeit, einen bekannten Laut zu verschriftlichen, den man sonst nur aus dem Schlafzimmer kennt. Nein, ist nichts mit Stöhnen gemeint – es geht höchstens um dessen asexuellen kleinen Bruder: das Schnarchen. Also mit Verlaub das niedliche Schnarchen, bei dem man Erzeugerin oder Erzeuger nicht völlig von Sinnen vor Wut ein Kissen aufs Gesicht drücken möchte. Eyes on: „Ro-püh!“ Und wenn jemand aus dem HipHop-Zirkus sein erstes Album, statt einzupeitschen, ein wenig einschnarcht, dürfte gleich klar sein: Hier wird der Respekt nicht mit den ewig gleichen Reflexen aufzurufen versucht, sondern hier gelten zur Abwechslung eigene Regeln. Eine Zuschreibung, die bezüglich Lady Sovereign nur haarscharf an einem Allgemeinplatz vorbeischrammt. Denn die 22-Jährige aus Wembley gilt nicht erst seit gestern als DER Geheimtipp englischen HipHops. Also HipHop, der Grime nicht nur vom Hörensagen kennt, sondern die dreckige Verbindung beider Genres mit vorangetrieben hat. Und eine weibliche Selbstermächtigung in diesem Szenario muss dabei überhaupt noch mal höher gerankt werden. Denn in diesem Werte- und Bilderkosmos von Schwanz, größerer Schwanz, Pimp-Abgefeiere und internalisiertem Sexismus als Frau vom Objekt zum Subjekt zu werden ist, wie man sich denken kann, nicht gerade etwas, was so locker auf der Hand liegt, wie zum Beispiel als weißer Vorortheini eine Rockband zu gründen. Insofern muss sich Lady Sovereign natürlich auch mit der Ringträgerinnen-Bürde eines möglichen Role-Model-Seins auseinandersetzen. Das ist wichtig, das soll aber nicht den Blick auf diese tolle Platte verstellen – ihn möglichst noch schärfen. So genießt man eben erst mal die Souveränität der Tracks und die coole Frechheit in der Pose, für die Princess Superstar oder Ms. Dynamite immer zu schätzen waren. Aber auch der abgehangene Sound und die roughen, aber clubtauglichen Beats sind weit vorne – und dieser Duktus der Texte, der eben nicht klingt, wie wenn Pyranja MC auch mal der weibliche Herren-Gangsta sein will. Das hat Eigenheiten, das feuert so bestechend mühelos ab. So dreist, so witzig, so tight – muss man erst mal sein. Wie diese Frau, wie diese Platte.




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