BEWERTEN
 

Last Days Of April

»You Might As Well Live«

[Bad Taste / Soulfood]

Text: Thomas Renz

Karlsson vom Dach hatte einen Propeller auf dem Rücken, um nicht abzustürzen. Karl Larsson von Last Days Of April verzichtet dagegen auf eine solche Ausrüstung, schließlich gilt es mit einem beherzten Sprung namens „You Might As Well Live“ die Gitarre aufzusammeln, die vor einigen Alben weitestgehend über Bord geworfen wurde. Das jedenfalls bleibt übrig, wenn man die holzhämmernde Metaphorik des Artworks auf seinen Kern abklopft. Dieses zeigt Larrson beim Sturz von einem Hochhaus, die Hand ausgestreckt nach dem goldenen Kalb aller Songwriter, um das seine Band vor allem in ihren Anfangstagen so ausgelassen tanzte. Zwar befinden sich Last Days Of April nach wie vor im freien Fall in Richtung Pop, versuchen aber inzwischen ganz zaghaft Kontakt zu ihrer musikalischen Vergangenheit im Hardcore aufzunehmen. Zumindest auf dem ja bekanntlich überaus geduldigen Papier des One-Sheets, denn von den „dicken Rock-Gitarren“, die dort aufgefahren werden, lässt man zum Glück die Finger. Und auch seine Vorliebe für Musik mit wechselnden Partnern hat Larsson mittlerweile etwas besser im Griff. Zusammen mit Mathias Olden von Logh am Bass und Fredrik Granberg von Randy am Schlagzeug ist seine Band für „You Might As Well Live“ zu einem (teilweise flotten) Dreier geschrumpft. Auch deshalb bleibt nach der Landung im flauschigen Sprungtuch des Pop das bisher beste Album von Last Days Of April.


Sieht übrigens auch Karl Larsson so:
Mit „Might As Well Live“ hast du einen Albumtitel gewählt, der auch ausdrücken soll, dass man mit bestimmten Dingen einfach weitermachen muss, komme was wolle. Ist Ausdauer die zentrale Charaktereigenschaft in der zehnjährigen Geschichte von Last Days Of April?
Zumindest auf mich trifft das wohl zu. Die Band ist im Laufe der Zeit zu einem insgesamt zehnköpfigen Kollektiv herangewachsen, Mitglieder kommen und gehen. Mit manchen spiele ich allerdings nur noch an der Xbox zusammen.
Trotzdem bewegt sich das neue Album weitestgehend im Rahmen einer klassischen Rockbesetzung. Entfernst du dich mit diesem Schritt zurück in die Anfangstage der Band bewusst vom Werk des Solokünstlers Karl Larsson?
Vielleicht. Ich wollte mit diesem Album eben weniger auf Keyboards und Streicher setzen, sondern die Gitarren zurückkehren lassen. Es ging mir um die drei elementaren Bestandteile Gitarre, Bass und Schlagzeug.
Dazu passt das Artwork des Albums. Es kann jedenfalls leicht als Versuch interpretiert werden, mit „You Might As Well Live“ deine musikalische Vergangenheit einfangen zu wollen.

Ich wollte mir vergegenwärtigen, was wir in all den Jahren verloren und was wir hinzugewonnen haben. Ich habe sicher drei oder vier Monate nur mit Nachdenken verbracht, bevor ich erste Demos aufgenommen habe. Im Studio ging dann aber alles seinen gewohnten Gang, weswegen ich nicht recht beurteilen kann, wie gut das viele Grübeln dem Album letztendlich wirklich getan hat. Ich spüre aber eine Verbindung zu all den anderen Alben, die ich bisher mit Last Days Of April gemacht habe – natürlich bis auf die Tatsache, dass „You Might As Well Live“ eine Spur besser ist als seine Vorgänger. 



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