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Of Montreal

»Hissing Fauna, Are You The Destroyer?«

[Polyvinyl / Cargo / VÖ: 16.02.2007 ]

Text: Mick Schulz

Traurige Geschichten befördern ja allzu häufig die Kunst. Dieses Album ist ein rührendes und erschreckendes Beispiel dafür. Kevin Barnes, der Kopf von Of Montreal, ist nach Oslo gezogen, weil seine norwegische Frau dort ihr gemeinsames Kind großziehen wollte. Er jedoch stürzte in tiefe Depressionen und ging letztlich zurück in seine Heimatstadt Athens, Georgia. Die Osloer Zeit aus Emotion, Frustration und Depression hat dieses Album hervorgebracht. Hört man „Hissing Fauna ...“ ohne dieses Wissen, bekommt man ein Album, wie man es von Of Montreal erwarten würde, höchstens mit ein paar ekstatischen Songs weniger. Hört man aber genauer hin, ist es ein unglaublich gewagter Versuch, diese Zeit zu verarbeiten. Das Album hat einen doppelten Boden und erinnert damit an die Spukschlösser in alten Horrorfilmen, deren Keller man auf keinen Fall öffnen sollte. Beim rauschenden Fest im Ballsaal kann man prima seinen Spaß haben, solange man nicht in den Spiegel sieht, denn der zeigt einen leeren Raum. Was Kevin Barnes uns hier vorsetzt, ist auf allen Ebenen eine so reiche Musik, man muss in Metaphern schwelgen, um den Eindruck weiterzugeben: Es ist ein Fest, ein Zirkus, ein Kasino, eine Orgie. Und so ambitioniert das Vorhaben auch daherkommt, Depressionen in 60s-Pop und Prince-Anleihen verarbeiten zu wollen: Es funktioniert durch das Überraschungsmoment weit besser als konventionell „traurige“ Musik.



Hier noch drei Fragen an Kevin Barnes:
Was bedeutet der Titel des Albums?

Er soll das Gefühl suggerieren, das ich zu dieser Zeit hatte. Ich fühlte mich, als würde ich von den Kräften dieser Welt angegriffen, ich habe mich gesorgt, sie könnten mich zerstören.
Obwohl es das düsterste Album bislang ist, behalten Of Montreal ihren euphorischen Sound bei. War es Absicht, Texte und Musik miteinander zu kontrastieren?
Ja. Die Musik war ein Versuch, mich aus dem Abwärtsstrudel zu ziehen. Meine Wunschrealität, das ist die Musik, und die tatsächliche Realität, das sind die Texte.
Einer der Songs heißt „Fabergé Falls For Shuggie“, ich nehme an, damit ist Shuggie Otis gemeint. Was ist sein Einfluss auf dich und deinen Sound?

Ich bin ein großer Fan von Soul/Funk/Dub/Reggae. Ich habe viel 70er-Soul gehört, das war eine große Inspiration für meine neuesten künstlerischen Projekte. Außerdem haben mich Os Mutantes, Prince, David Bowie, Sly Stone und viele andere inspiriert.



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