BEWERTEN
 

Pole

»Steingarten«

[~scape / Indigo / VÖ: 16.03.2007 ]

Text: Moritz Sauer

Seit seiner ersten Veröffentlichung überzeugt Stefan Betke a.k.a. Pole mit einer eigenen Klangästhetik, die im Bereich der elektronischen Musik einzigartig und vor allem eigenartig ist. Das gemeinsame Fundament sämtlicher Veröffentlichungen bildet immer ein warmer Bass. Ohne diese fast schon herzliche Erdung würde sein neuestes Werk „Steingarten“ ziemlich harsch, kratzig und leicht verwildert ausfallen. Denn mehr denn je beschäftigt sich der perfektionistische Minimalist mit schmirgelnden Sounds, die borstig aus dem saftigen Grund wachsen. Hier und da wirkt das manchmal fast schon derbe, leicht verrückt und wie in einem technoiden Drogenrausch. Besonders in entrückten Tracks wie „Mädchen“ oder dem elektroiden „Achterbahn“. Erstaunt stellt man obendrein fest, dass Pole nach seiner ausgiebigen und gemütlichen Dub-Phase und seinem fast schon wissenschaftlichen Exkurs gen HipHop tanzbarer denn je geworden ist. Vielleicht könnte man „Steingarten“ deswegen am ehesten in die Schublade Electro stecken, wenn man denn eine passende Musiknische sucht. Trotzdem sollte man anschließend nicht verwundert feststellen, dass die Borsten und Wurzeln die Enge sprengen und sich ihren Weg mit der nötigen Kraft gen Sonne erobern. Eine eigenwillige Pflanze braucht halt Platz.



Drei Fragen an Pole:
Steingarten“ ist dein bisher tanzbarstes Album. Ist das die Konsequenz und das Destillat deiner Touren als Musiker/DJ rund um den Globus?

Die Frage ist, wie definiert man „tanzbar“ heute? Betrachtet man mein Album „Steingarten“ und auch die Alben davor aus der Sicht von vor 20 Jahren, stellt sich diese Frage gar nicht. Es ist also eher ein Problem, zu „was“ man heute tanzt oder tanzen möchte. Ich stimme aber zu, dass „Steingarten“ wohl mein am ehesten 4/4-Beat-orientiertes Album ist, dies aber nur sehr schüchtern zugibt. Mir geht es in meiner Arbeit schon um so etwas wie Verweigerung oder besser um ein Andeuten von Elementen, die nie ausformuliert werden, wobei der „Funk“ aber im Vordergrund steht und somit immer auch Tanzbarkeit einschließt.
Was fasziniert dich als Künstler daran, sich immer und immer wieder mit dem Thema Reduktion bzw. Minimalismus auseinanderzusetzen?

Ich meine, es ist sehr schwierig, einen Track so weit zu reduzieren, bis er nur noch etwas wie „das Notwendigste“ enthält, aber trotzdem noch komplex und spannend bleibt. Ich versuche innerhalb des Projektes Pole der Musik so viel Raum und somit Platz zu lassen, wie es geht. Es ist ein Dauerexperiment auf der Suche nach Klarheit, Groove und Genauigkeit.
Was haben Wald und Schloss (Neuschwanstein) auf dem Cover mit deiner Musik gemeinsam?

Das Schloss ist nicht zwingend als Bebilderung der Musik oder des Albumtitels zu sehen, sondern eher als Verweis auf eine andere Haltung. Es ist ein Spiel mit dem Betrachter/Hörer und eine Irreführung, die zu teils falschen Erwartungen führt. Es scheint manchmal, dass Coverartworks den Menschen nicht mehr so wichtig sind. Schwarze Cover (oder grafische Lösungen) zierten die Mehrzahl der Plattenveröffentlichungen im elektronischen Bereich. Das war zwar historisch gesehen notwendig und absolut richtig, aber es hat auch etwas in unserer Rezeption von Albumkonzepten verändert. Ich wollte eine klare Aussage, etwas Konkretes, etwas, bei dem der Käufer stehen bleibt und sagt: „Das ist ja krass.“ Die Interpretationen und Parallelen zu japanischen Steingärten und in der Natur gewachsenen Steingärten entstehen dann von ganz alleine und sind auch willkommen.



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
POLE, Steingarten
Alle Artikel von Moritz Sauer
  • Diese User besitzen die Platte

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 
  • WEITERE PLATTEN

  •  
 
  • ÄHNLICHE PLATTEN

  •  
 
 
Anzeige
 

Spalter: Platte und Film des Monats

Spalter: Platte und Film des Monats

Das Intro-Streitgespräch: Jeden Monat eine neue Platte, ein neuer Film und unterschiedliche Meinungen. [...mehr]