The View
»Hats Off The Buskers«
[1965 / Red Ink / Rough Trade / VÖ: 16.03.2007 ]
Text:
Daniel Koch
[7 Kommentare]
Da haben doch die Feuilletonfüchse der Süddeutschen gerade heute brühwarm einen neuen UK-Trend festgenagelt: Jamie T und die mir suspekten Good Shoes „holen den britischen Pop zurück in die Peripherie“. So hieß es da auf Seite elf. Vergessen wir also jetzt mal gerade, dass das Phänomen musizierender Landeier in England so selten nicht ist, sie heutzutage bloß nicht mehr erst nach London ziehen müssen, um entdeckt zu werden. Lassen wir dem Kulturjournalisten seinen Stolz und seine These, verneigen uns und zollen ihm Respekt – indem wir hier und jetzt feststellen: The View holen den britischen Pop zurück in die schottische Peripherie, nämlich nach Dundee. Wow, wenn die von der Süddeutschen mich jetzt nicht auf der Stelle abwerben ... Mit The View steht also das neue UK-Jungenswunder in den Startlöchern. Hübsche junge Indie-Stylos, unverbrauchte Gesichter, leidenschaftliche Musiker, gelegentlich rotzfrech bis aufmüpfig. Und diesmal wie gesagt aus Schottland. Peripherie. Dundee. Wie so oft haben die richtigen Leute nachgeholfen, damit die Sache in Schwung kommt. Namentlich sind das James Endeacott und Owen Morris. Ersterer war mal A&R bei Rough Trade und hat die Libertines entdeckt. Letzterer war als Produzent für Oasis und The Verve tätig. Kann also gar nicht schiefgehen. Tut es auch nicht. Weil man hier wirklich eine gute Band unter die Fittiche genommen hat. Denn „Hats Off To The Buskers“ ist ein kraftvolles Debüt, das der Musikwelt zwar keine neuen Erkenntnisse hinzufügt, aber clever klaut und kombiniert. Zwischen Punk und Pop und Ska spielen sich die 13 Songs ab und verneigen sich dabei wahlweise vor den Buzzcocks, den Specials, den Undertones und meinetwegen auch den Libertines. „Superstar Tradesman“ ist ein vorzüglicher Pop-Punk-Ohrwurm, „Same Jeans“ zwar eine unfreiwillige Hommage an „Brimful Of Asha“, aber trotzdem charmant, und bei „Wasteland“ werden The View gar richtig wütend – zumindest im Refrain. Im Textvortrag bevorzugt Sänger Kyle Falconer den schottischen Zungenschlag, muss man ja heutzutage nicht mehr verstecken. Im Gegenteil. Macht unterm Strich eine Platte, die man jedem empfehlen kann, der den UK-Hype noch nicht überhat. The View können sich übrigens auf der Insel inzwischen auf eine massive (und recht junge) Fan-“Army“ verlassen, die – wen wundert es – oft denselben vorstädtischen und ländlichen Teilen Schottlands entstammt. Offenbar fühlen sie sich in den Songtexten verstanden. Da kann man doch feststellen – ja, man muss es förmlich: The View holen den britischen Pop zurück in die Peripherie. Wo er dankend aufgenommen wird.
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Kommentare
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justicia 14.03.2007 | 21:14:24
schöne review!
Bokkus 15.03.2007 | 09:12:14
Danke fuer Deinen Beitrag. :-)
Oleandah 15.03.2007 | 09:51:46
Die sind aber wirklich noch sehr jung, oder? Vor ein paar Tagen waren die mal in den Tagesthemen als das neue große Ding, gegen die sehen die Arctic Monkeys aus wie Jethro Tull.
baddiel 15.03.2007 | 17:09:15
der erstbeste bin ich!
allein für das leicht korallige "the don" kann man denen nicht genug danken.
und der albumkauf (kommt morgen raus) enttäuscht nicht die erwartungen.
justicia 16.03.2007 | 14:08:38
der albumkauf hat ganz und gar nicht die erwartungen enttäuscht.
jung, ja, 12 oder so. so sehen sie zumindest aus. sollen aber schon 19 und 20 sein. und sie können songs schreiben. richtig gute songs. und diese überzeugend vortragen. daher ist's eigentlich egal wie alt sie sind.
justicia 16.03.2007 | 22:34:16
... auf meinem album sind übrigens 14 songs drauf. :)
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