BEWERTEN
 

Yes Boss

»Look Busy«

[Dance To The Radio / Cooperative Music / Rough Trade / VÖ: 02.03.2007 ]

Text: Sebastian Ingenhoff

Vor zwei Jahren wurde Grime in den Medien bereits so heiß diskutiert und zerredet, dass man eigentlich dachte, in spätestens zwei Monaten krähe kein Vogel mehr nach irgendeinem der involvierten Akteure. Abgesehen von Dizzee Rascal, gab es auch nur wenige Namen aus jenen Anfangstagen, die man sich zwingend merken musste. Jetzt hingegen scheint es noch einmal so richtig loszugehen: Dieser Tage erscheint in Deutschland das lang ersehnte Lady-Sovereign-Album, und durch die Medien geistert bereits ein neuer Hype namens Grindie, eine Mischung aus Indie und Grime. Doofe werbesprachliche Wortneubildungen sind wohl gerade wieder der letzte Schrei in den Mittagspausen der Plattenindustrie. Ebenfalls letztens gehört: Mandy, als Bezeichnung für die Mischung aus Mainstream und Indie. Das Gerede um Grindie jedenfalls speist sich in erster Linie aus den zuletzt so erfolgreichen Kollaborationen britischer Indie-Bands mit verschiedenen Grime-Künstlern, z. B. The Streets / Pete Doherty oder Arctic Monkeys / Dizzee Rascal. Yes Boss sind ein schottisch-englisches Duo aus Leeds. Auf dessen Debütalbum „Look Busy“ gibt es auch einen Grindie-Song: ein Duett mit dem Sänger von ¡Forward, Russia!. Dessen Cure-Stimme in Kombination mit den stolpernden hektischen Garage-Beats zu hören ist zwar zunächst gewöhnungsbedürftig, geht aber dann irgendwie doch, zumindest, wenn man den Song nicht ganz so laut hört. „Tongues In Knots“ gehört jedenfalls zu den eher schwächeren Stücken einer größtenteils ziemlich unterhaltsamen Platte. Vielleicht ist „unterhaltsam“ ein etwas zu gediegenes Wort im Zusammenhang mit einer dreckigen HipHop-Platte aus Leeds. Vielleicht beweist die Zuschreibung „unterhaltsam“ aber auch nur, dass die Platte nicht wirklich dreckig ist. Yes Boss haben nämlich durchaus Pop-Appeal. Die maschinengewehrartig vorgetragenen Wortkaskaden werden schön kontrapunktiert durch Synthetikstreicher, viele Stücke haben ziemlich konventionelle Refrains. Insgesamt ist die Platte weniger aggressiv als, sagen wir mal, Kano oder Wiley. Die Beats klingen teilweise sehr amerikanisch. Lediglich die mit breiter Brust vorgetragenen Cockney-Raps erinnern den Hörer in jeder einzelnen Zeile noch daran, dass hier Briten am Werk sind. Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass Grime jetzt auch Pop ist. Wer aber jetzt ernsthaft anfängt, diese Musik „Prime“ zu nennen, bekommt von mir den Latte Macchiato mit der Fliegenklatsche aus der Hand gewischt.




Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
  • Diese User besitzen die Platte

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 
  • WEITERE PLATTEN

  •  
 
  • ÄHNLICHE PLATTEN

  •  
 
Anzeige
 

Spalter: Platte und Film des Monats

Spalter: Platte und Film des Monats

Das Intro-Streitgespräch: Jeden Monat eine neue Platte, ein neuer Film und unterschiedliche Meinungen. [...mehr]