Diverse
»bluNoise. The Finest Noise In Guitar Music Since 1945 – Portrait Of An Independent Music Label«
Text:
Thomas Markus
bluNoise Records bringen anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens ein DVD/CD-Doppelrelease heraus. Die CD bietet einen repräsentativen Querschnitt aus dem Backkatalog. Bands der ersten Stunde sind genauso vertreten wie aktuelle Signings. Das benutzerfreundliche Menü der DVD führt durch Livemitschnitte und Interviews. Ein Muss für jeden Indie-Noise-Anhänger. Punkt. Stopp. So geht das nicht. Mit 08/15-Formulierungen kommen wir hier nicht weiter. Hier geht es um bluNoise, das heißt weg von Schema-F-Strukturen. Guido Lucas, der Mann hinter bluNoise, würde sich lieber jedes einzelne Haar seines prächtigen Indie-Nerd-Barts selbst auszupfen, als sich irgendwelchen Common-Sense-Mechanismen zu beugen. Das wird in den Interviews auf der DVD, die von Soheyl Nassary (Nicoffeine) produziert wurde, ganz klar herausgestellt. Dafür hat er zu viel an bluNoise gearbeitet, zu lange investiert und daran geglaubt. Mitte der Neunziger haben bluNoise-Bands wie Ulme und Harmful eine neue Definition von noisigen Gitarrensounds abgeliefert. Einfach zu verdauen waren die ersten Outputs weiß Gott nicht, sieht man mal vom wohl bekanntesten damaligen bluNoise-Act Blackmail ab, die von Beginn an songorientiert unterwegs waren. Das Gros der Bands aber war laut (Ulme) und sperrig (Harmful, Les Hommes Qui Wear Espandrillos). Außerdem sollte das Label ein Ort für Experimente sein (Urlaub In Polen). „Die Leute mögen viel mehr Musik, als sie wissen ... Sie haben sie bloß noch nicht gehört“, wird Jim O’Rourke im ersten Kapitel der DVD zitiert. Eine Maxime, die sich viele aus dem Label-Dunstkreis auf die Fahnen geschrieben haben. Und genau darin ist der Idealismus hinter bluNoise zu suchen. Der Kern des Antriebs liegt im Ausloten von Hörgewohnheiten und Grenzen. Ob nun noisig oder weniger noisig, ob rock’n’rollig (wie die frisch gesignten American Lead Guitar) oder metallig. Das sehen Carsten Sandkämper (Pendikel), Jörg A. Schneider (Les Hommes Qui Wear Espandrillos, Gaffa), Aren Emirze (Harmful) oder Kurt Ebelhäuser (Blackmail, Scumbucket), um nur einige der Interviewten zu nennen, ähnlich. „Es muss alles wieder viel offener und positiver werden – da arbeite ich gerade dran“, sagt Guido Lucas, zieht an seiner Zigarette und blickt ein wenig zerknirscht in die Kamera. Ein wenig zerknirscht – und entschlossen, die nächsten zehn Jahre in Angriff zu nehmen. Und wir mit ihm.
Artikel kommentieren
Mehr Infos
Diese User besitzen die Platte
Kommentare
Artikel kommentieren - Mehr Forumsdiskussionen
Social Network Login

Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
WEITERE PLATTEN
- » Diverse - Photek DJ-Kicks
- » Diverse - A Tribute To Japanische ...
- » Diverse - Sonig Boxset Thing
- » Diverse - Factory Records: 12
- » Diverse - »Stimmen Bayerns – Die Liebe«
- » Diverse - »Stimmen Bayerns – Der Tod«
- » Diverse - Oh, dieser Sound – Stars...
- » Diverse - Coming Home By DJ Hell
- » Diverse - Freude am Tanzen 5zig
- » Diverse - Werkschau
THREADS ZU DIESEM ALBUM



