Destroyer & Swan Lake
»Destroyer’s Rubies & Beast Moans«
[Acuarela / Hausmusik & Jagjaguwar / Cargo]
Text:
Felix Scharlau
Von wegen Zeit heilt alle Wunden. Einige werden durch sie erst verursacht. Dass „Destroyer’s Rubies“ von Daniel Bejars Projekt Destroyer schon vor einem Jahr in Nordamerika veröffentlicht wurde, dies in Europa aber erst jetzt geschieht, ist fast schon Hohn. Auch wenn man Acuarela für diese Tat letztlich danken müsste. Was genau genommen schon wieder Hohn wäre. Denn Bejar, der auch bei New Pornographers mitwirkt, passt in jedes halbwegs individualistische Labelroster. Davon zeugte bereits eine Handvoll beeindruckender Alben, auf denen Bejar mit seinen Bandmitgliedern die Trennlinie zwischen Pop und Weirdo-Folk zur Gänze ausradierte. Ja, auf denen er seinen Songskizzen erst durch die überbordende Verwendung durchkolorierter Schmuse-Gesangslinien jene Unberechenbarkeit brachte, die all das so magisch und seltsam erscheinen lässt. Sonst wäre Bejar wohl „nur“ ein weiterer Jad Fair ohne Hits geworden. Zum Album: „Destroyer’s Rubies“ ist Stagnation auf allerhöchstem Niveau. Bitte ungehört kaufen.
Zeit und wie sie verstreicht ist auch ein Spitzen-Link zum Debüt von Swan Lake. Ein fast noch besserer, als dass Daniel Bejar auch hier mitwirkt. Denn veröffentlicht wurde dieses Album bei uns schon im November, hier soll es passend zu Destroyer nun endlich mal auftauchen. Swan Lake, das sind neben Bejar auch Spencer Krug (Wolf Parade) und Carey Mercer (Frog Eyes). Keine schlechten Voraussetzungen also. Ab der ersten Minute faszinierend: Lediglich auf einem rudimentären Singer/Songwriter-Nenner das Mikro vom einen zum anderen zu reichen ist nicht das Anliegen des Trios, bei dem dann aber doch jeder mal singen darf. Obwohl anderes sicher für viele zugänglicher gewesen wäre. Stattdessen wirken Swan Lake weitestgehend sogar noch gebrochener, durchkomponierter und somit unwägbarer als Destroyer. Zirkus, Liebeslied, Noise, symphonische Dichtung, ein Leben in kreativer Einsamkeit – vieles mag Motor für diesen Stilmix aus kollektivem Sound und Gefühl gewesen sein. Hoffentlich geht der nicht so schnell aus, es wäre schade.
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