Nick Cave & The Bad Seeds & Grinderman
»The Abattoir Blues Tour (DVD+CD) & Grinderman«
[Beide Mute / Emi / VÖ: 02.03.2007 ]
Text:
Frank Schuster
So, liebe Kinder, gebt fein acht, Onkel Nick war einmal ein wirklich ganz wilder Kerl. Die Bands, in denen er spielte, nannten sich Birthday Party oder The Bad Seeds. Doch dann wurde er zum guten Sohn bekehrt und singt seitdem Songs mit Titeln wie „God Is In The House“. Okay, gut. Zuletzt auf „Abattoir Blues“ ging es ja wieder ein wenig wilder zu. Aber dennoch war es eine gute Idee, dass er und seine Bad-Seeds-Mitstreiter Ellis, Casey und Sclavunos für ihr Grinderman-Projekt einen ganz anderen, spontaneren Ansatz gewählt haben: Anstatt dass Cave im stillen Kämmerlein zu Hause am Piano komponierte und dann die Songs seiner Band vorlegte, kreierte er seine Texte intuitiv zu den in Sessions entwickelten Stücken. Ein Konzept, dass er ansatzweise auch schon für „Abattoir Blues“ nutzte, nur dass er dort die Songs anschließend mit einer großen Besetzung aufdonnerte, was ihnen nicht immer gut tat. Bei „Grinderman“ dagegen beließ er es bei der schlanken Viererbesetzung. Herausgekommen ist ein ungeheuer intensives, in den schnellen Songs ruppiges und knarziges, in den ruhigen Balladen emotional nahegehendes Werk. Das beste Nick-Cave-Album seit „The Boatman’s Call“!
Wie zahm, trotz einiger Glanzlichter, dagegen die Vorgängeralben „Nocturama“ und „Abbatoir Blues / The Lyre Of Orpheus“ waren, wird einem noch einmal durch die Doppel-DVD „The Abattoir Blues Tour“, die auch als De-luxe-Box mit Doppel-CD erhältlich ist, bewusst. Zu pompös und aufgemotzt kommt da einiges rüber, auch live. Die zwei Konzertmitschnitte (London, Juni 2003 / Brixton, November 2004) sind noch ganz guter Durchschnitt. Überflüssig dagegen ist einiges vom Bonusmaterial: Die Interviews zum Entstehungsprozess des jüngsten Bad-Seeds-Doppelalbums sind noch ganz erhellend, das Making-of zum „Bring It On“-Videoclip hingegen disqualifiziert Cave. Den an sich schon ziemlich unkorrekten Clip mit kaffeebraunen, leicht bekleideten Tänzerinnen (ironisch ist daran ja wohl nichts, oder?) schaut man sich danach erst recht nicht mehr gerne an.
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