BEWERTEN
 

Brakes

»The Beatific Visions«

[Rough Trade / VÖ: 02.03.2007 ]

Text: Peter Flore

Come on over, do the twist. Singt Sänger Eamon Hamilton, und er meint es wahrscheinlich auch so, zumindest für den Moment. Muss man deswegen extra betonen, weil sich die Stimmung auf dem zweiten Album der britischen Brakes im 2-Minuten-Takt ändert, zuweilen auch ins komplette Gegenteil umschlägt. Erst poltern die ehemaligen British-Sea-Power- bzw. Electric-Soft-Parade-Mitglieder mit „Hold Me In The River“ los, dann klimpern sie auf dem Saloonpiano und stinken dabei nach Bier und Männerschweiß. Wenige Augenblicke später lehnen sie dann schon wieder todtraurig und erschöpft an der Wand oder liegen am Boden, um der großen Liebe hinterherzutrauern. „The Beatific Visions“ ist ein wahrer Bastard geworden, ein Countryfolkpunkrock’n’roll-Album, das trotz des wilden Katz-und-Maus-Spiels mit den Genres nie den Faden verliert. Mal gibt Hamilton das verrückte Huhn („Spring Chicken“), dann brüllt er ununterbrochen eine Frage in den Raum, bei der nur noch der 50:50-Joker hilft: „Porcupine Or Pineapple“ – Stachelschwein oder Ananas, wer kann sich da schon entscheiden? Bei allem Genre-Hopping: Mangelnde Konsequenz kann man ihnen trotzdem nicht vorwerfen, jede Nummer ist auf den Punkt und in sich vollkommen stimmig, mal sind die Brakes eine lupenreine Countryband, dann spielen sie rotzigen Punkrock, und bevor der sie langweilen kann, zupfen sie eine bescheidene Songwriter-Folk-Nummer vom Schlage „Isabel“. Ein echter Spaß, zumindest aber eine kurzweilige Angelegenheit, nicht nur wegen der Spieldauer von knapp 28 Minuten.




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